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Kastenleier - Taran of Caer Dallben - 25.12.2013

Aus Anlass eines im Juni anstehenden Mittelalterfestes möchte ich mal eine Kastenleier bauen.
Ich bin mit Holz und mit Musikinstrumenten nicht ungeschickt, wenn ich also bescheiden bleibe, könnte es klappen... - hoffe ich.

Jetzt ein paar meiner Annahmen und Fragen - bitte macht mich schonend auf kompletten Blödsinn aufmerksam! Undecided

1. Die Grundlage für alle anderen Maße wäre die Mensur, nehme ich an.
2. Die Mensur ist die Entfernung zwischen den Stegen, nicht nur bis zum Rad.
3. Die Mensur liegt zwischen 320 und 420mm bei den Leierbauern, die ich gesehen habe und die auch gut sind.
Warum das? Vermutung: Es werden Geigen- oder Bratschensaiten verwendet, und da verwendet man dann auch die entsprechende Mensur.
Oder gibt's da noch andere Gründe? Ein Organistrum ist ja nun eher das andere Extrem - so lang, dass man zwei Leute zum Spielen braucht.

3a. Wären längere Saiten nicht von Vorteil, weil dann der Abstand zwischen den letzten Tangenten und dem Rad größer wäre und die Ablenkung der Saite den Klang nicht so stark beeinflussen würde?
3b. Ich habe auch gesehen, dass manche Leute Gitarrensaiten (Nylon? Umsponnen?) verwenden, frage mich aber, inwiefern das mit dem Kolophonium und Rad harmoniert - die sollen ja eigentlich gezupft und nicht gestrichen werden? Andererseits hat mein Streichpsalter ja auch ganz einfache Drahtseiten.

4. Das Rad: Eine Stärke von 15mm und Durchmesser bis 180mm scheinen üblich zu sein.
4a. Gilt, dass der Raddurchmesser so groß wie möglich sein sollte, damit die Saiten auch unter Auslenkung durch die Tangente nicht zu sehr gegen das Rad oder zu stark weg davon gedrückt werden?
4b. Der Abstand Rad/Steg soll dagegen klein sein (Minimalabstand scheint eine Radbreite zu sein), aber wenn er zu klein wird, oktaviert die Saite bzw quietscht.

Ich würde gerne fertige "Hardware" (Tangenten, Rad, Kurbel, Achse, Buchsen, Mechaniken/Wirbel) verwenden.
http://viellesrenard.free.fr/tarifs.htm#pd scheint mir alles anzubieten, was ich brauch... gibt es Alternativen? Hat jemand überzählige/gebrauchte Teile, die zu verkaufen wären?

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich gleich eine Leier mit zwei Melodiesaiten in Angriff nehmen soll. Sicher wäre dann der Ton kräftiger, aber man handelt sich ja auch Probleme beim Stimmen ein...
Kann ich notfalls so einen Tonabnehmer
http://www.thomann.de/de/shadow_sh711_pickup.htm?gclid=CLnLkKCszLsCFYlV3godwjMALg
verwenden und getarnt einbauen?

Chromatisch mit 2 Oktaven Tonumfang habe ich mir aber fest vorgenommen.

Das wär's erst mal für heute, danke für die Geduld aller, die bis hierher mitgelesen haben!


RE: Kastenleier - Michael aus P. - 27.12.2013

Hallo,
grundsätzlich mal sind Drehleiern tatsächlich recht komplizierte und empfindliche Instrumente. Deshalb ist es nicht sehr aussagekräftig, Deine fragen einfach mit JA oder NEIN zu beantworten. Um keine Romane schreiben zu müssen, tue ich's trotzdem und berweise für weitere Ausführungen auf Michel Pignol.

1. Die Grundlage für alle anderen Maße wäre die Mensur, nehme ich an. JA
2. Die Mensur ist die Entfernung zwischen den Stegen, nicht nur bis zum Rad. JA
3. Die Mensur liegt zwischen 320 und 420mm bei den Leierbauern, die ich gesehen habe und die auch gut sind. JA (es gibt Sopran-, Alto- und Tenorleiern)
Warum das? Vermutung: Es werden Geigen- oder Bratschensaiten verwendet, und da verwendet man dann auch die entsprechende Mensur. JA
Oder gibt's da noch andere Gründe? Ein Organistrum ist ja nun eher das andere Extrem - so lang, dass man zwei Leute zum Spielen braucht.

3a. Wären längere Saiten nicht von Vorteil, weil dann der Abstand zwischen den letzten Tangenten und dem Rad größer wäre und die Ablenkung der Saite den Klang nicht so stark beeinflussen würde?
NEIN (größere Auslenkung macht Platzproblem im Tangentenkasten usw.)
3b. Ich habe auch gesehen, dass manche Leute Gitarrensaiten (Nylon? Umsponnen?) verwenden, frage mich aber, inwiefern das mit dem Kolophonium und Rad harmoniert - die sollen ja eigentlich gezupft und nicht gestrichen werden? Andererseits hat mein Streichpsalter ja auch ganz einfache Drahtseiten. - Geigensaiten sind meist vorzuziehen, aber auch da gibt es große Klangunterschiede. Beim Suchen nach der 'besten' Kobination kann man viel Geld ausgeben. Standard = Darmsaiten.

4. Das Rad: Eine Stärke von 15mm und Durchmesser bis 180mm scheinen üblich zu sein. JA - 15 - 17/18 bzw. auch > 180, je nachdem ob Sopran-, Alto- und Tenor.
4a. Gilt, dass der Raddurchmesser so groß wie möglich sein sollte, damit die Saiten auch unter Auslenkung durch die Tangente nicht zu sehr gegen das Rad oder zu stark weg davon gedrückt werden? NEIN, dieser Effekt kann ignoriert werden.
4b. Der Abstand Rad/Steg soll dagegen klein sein (Minimalabstand scheint eine Radbreite zu sein), aber wenn er zu klein wird, oktaviert die Saite bzw quietscht. NEIN, aber das muß schon bei der Planung des Korpus berücksichtigt werden, denn der Steg muß teilweise auf der ersten Strebe sitzen (Saitendruck!), wobei ein mm vor oder zurück den Klang entscheidend beeinflussen.

Ich würde gerne fertige "Hardware" (Tangenten, Rad, Kurbel, Achse, Buchsen, Mechaniken/Wirbel) verwenden. Hat jemand überzählige/gebrauchte Teile, die zu verkaufen wären?
Am besten Pascal Cranga hat alles in bester Qualität und recht preiswert, auch alle Hölzer, teils vorbereitet/vorgefertigt. Auch die meisten einheimischen Drehleierbauer verkaufen Teile. Bei mir kriegst Du handgefertigte, kugelgelagerte Kurbeln/Knäufe und seit neuem ein einmaliges Saitenhebersystem, jeweils nach individuellen Wünschen.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich gleich eine Leier mit zwei Melodiesaiten in Angriff nehmen soll. Sicher wäre dann der Ton kräftiger, aber man handelt sich ja auch Probleme beim Stimmen ein... JA, die Mehrarbeit lohnt sich, Probleme she ich nicht.

Kann ich notfalls so einen Tonabnehmer
http://www.thomann.de/de/shadow_sh711_pi...3godwjMALg
verwenden und getarnt einbauen? JA

Auf meiner HP gibt's unter INSTRUMENBAU zwei Bildserien zum Bau/Umbau zweier Drehleiern

Viel Erfolg!
Michael


RE: Kastenleier - Taran of Caer Dallben - 27.12.2013

Vielen Dank für diese ausführliche Antwort.

Das werd ich jetzt mal alles in Ruhe bedenken und mir einen Plan machen...

Danke vor allem für die Links. Shy

So, jetzt ein paar Gedanken:

Beim Tonbeispiel der ersten Mittelalterleier fällt ja das Rumpeln auf. Liegt das an der Platzierung des Tonabnehmers? Oder an der Lagerung der Achse? Stramm sitzende Kugellager könnten schon so klingen, wie wäre es mit einer Lagerung in Delrin o.ä.; also nicht Metall auf Metall?

Pascal Cranga führt ja ein paar nette Sachen. Achse und so hab ich gefunden, aber keine Angaben zu den Rädern (Durchmesser?) und mein Drehleier-spezifisches Französisch ist auch nicht so gut...
Tangenten hat er nicht, oder?
Titebond hat er, und das ist für Bogenbauer schon mal ein Qualitätsmerkmal! LOL

Dein Saitenhebersystem - damit ist gemeint, dass man während des Spielens einzelne Saiten "zu- und abschalten" kann, oder?


RE: Kastenleier - Michael aus P. - 27.12.2013

Beim Tonbeispiel der ersten Mittelalterleier fällt ja das Rumpeln auf. Liegt das an der Platzierung des Tonabnehmers? Oder an der Lagerung der Achse? Stramm sitzende Kugellager könnten schon so klingen, wie wäre es mit einer Lagerung in Delrin o.ä.; also nicht Metall auf Metall?
Weder noch. Zum einen kann ich kein 'Rumpeln' feststellen, zum anderen hat die Leier keinen Tonabnehmer, die Aufnahme ist mit einem TASCAM-Recorder über Mikros gemacht. Heute bauen fast alle Instrumentenbauer Kugellager ein, hört man absolut nix. Traditionell wird Buchsbaumholz verwendet, war auch bei meiner Mousnier (siehe meinen Thread unter 'Drehleiergalerie) so, Lager saß allerdings nicht richtig, und ich habe der Einfachheit halber Kunststoff eingebaut, funktioniert prächtig.

Pascal Cranga führt ja ein paar nette Sachen. Achse und so hab ich gefunden, aber keine Angaben zu den Rädern (Durchmesser?) und mein Drehleier-spezifisches Französisch ist auch nicht so gut...
Tangenten hat er nicht, oder?
Mein Französisch war auch nicht mehr so besonders. Nachdem ich mich durch die 470 Seiten Pignol gefressen hatte, ging's wieder Smile
Zur Not gibt's Google Translator, man braucht allerdings etwas Fantasie, wenn da auf einmal von Zikaden und alten Weibern erzählt wird Smile Mein Rad (Soprano-Modell) hat 160 mm. Metallfähnchen finde ich nicht auf Pascals HP, aber an seinem Stand beim Ars-Festival glaube ich welche gesehen zu haben. Beat Schenk verkauft welche, sind aber nicht billig (ca. 120.- Euro für zwei Saiten). Ich empfehle für's erste Holzfähnchen, sind eigentlich flott herzustellen. Auch Spitzenleute wie Siorat oder Mousnier verbauen nach wie vor Holzfähnchen.


Dein Saitenhebersystem - damit ist gemeint, dass man während des Spielens einzelne Saiten "zu- und abschalten" kann, oder?
Ja, genau, und zwar mit einem blitzschnellen Fingertip, ohne Gefummel. Das Prinzip ist wie das von Geralf Grems, kannst Du auf meiner HP bei der zweiten Leier in Großaufnahme sehen. Ich hab's robuster und kompakter gemacht und biete es demnächst in Messing und Holz nach Wunsch (passend zum Instrument) an.
Werde in den nächsten Tagen mal ein paar Fotos hier einstellen.


LG Michael


RE: Kastenleier - Taran of Caer Dallben - 29.12.2013

Spielt da jemand Bodhran im Hintergrund?

Bin gespannt auf die Saitenheber.

Ich könnte mir ein Rad von einem Bekannten massiv drechseln lassen, Ahorn.
Das wäre sicher schon ein guter Anfang. Delrinlager habe ich irgendwo noch im Modellbaubedarf...


RE: Kastenleier - markus - 29.12.2013

Hallo

Habe, wie du auf diesen Seiten auch sehen kannst, auch eine Kastenleier gebaut, dies nach einem Plan, was ich dir wärmstens empfehlen kann.
Google: hurdy gurdy symphonie plans

Da kannst du dir die wichtigsten Masse heraus nehmen und dir deine eigene ev. einfachere Version bauen.

Nimm auf keinen Fall Massivholz für das Rad!

Mit besten Grüssen aus der Schweiz
Markus