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Noch ein Neuer... - Druckversion

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Noch ein Neuer... - panki - 09.12.2015

Hoi in die Runde..
Nachdem ich auf diversen Mittelaltermärkten immer von den Trommel, Sackpfeifen und Drehleiern in den Bann gezogen wurde (Ok, es gibt auch noch andere  Instrumente ), kam mir nun in den Sinn, mal Nägel mit Köpfen zu machen und musikalisch  aktiv zu werden. Seit mehrere Jahren baue ich nun Rahmentrommeln und POW-WOW Trommeln bis 90cm D (ich nenne diese Donar Trommeln) und veranstalte für Freunde auch ab und zu mal einen Trommel-Baukurs. Auch eine selbst gebaute  indianische, pentatonische Pfeife aus einem Aststück gab hörbare Töne von sich.
Da ich jedoch bislang, außer mal vor vielen Jahren in der Schule etwas von Noten hörte, blieb ich musikalisch ziemlich unbefleckt, ...hören ja, machen eher nein und beim Trommeln eher intuitiv und einfache Begleitung.
Nun die Frage an Euch: Kann man es als Grufty mit 65 Jahren noch schaffen, für den Hausgebrauch Drehleier zu lernen?
Gibt es im Raum Stuttgart einen Lehrer, der es mir beibringen könnte?
und...
Mir wurde eine Drehleier, 5 Jahre alt von Altarwind.com (Moncur) angeboten. Nach den mir vorliegenden Bildern sieht alles noch sehr unbenutzt aus. Leider kann ich das Instrument nicht in Augenschein nehmen, da (noch) im Ausland. Diese Drehleier wurde nur als Ersatzinstrument bei einem Ensemble verwendet. Die D.-Leier ist der Dame zu schwer, sie musiziert lieber mit einer handlicheren. Sie gab mir auch den Tipp zu diesem Forum, wo ich Hilfe bekommen könne.
Alternative Möglichkeit wäre, mir eine selbst zu bauen. Hier bietet K.-M. Riedel etwas an. Da ich etwas "Holzwurm" bin, aber auch 20 Jahre Metallbau (Livesteam) gemacht habe, denke ich dass ich das handwerkliche hier schaffen werde.
Also meine Frage, soll bzw. kann ich es wagen?

Herzliche Grüße
panki


RE: Noch ein Neuer... - Stefan R - 09.12.2015

Hallo panki,

ich denke ein Musikinstrument kann man mit jedem Alter lernen, warum dann nicht auch Drehleier. Du solltest Dir aber im Klaren sein, dass um das Instrument zu beherrschen (und insbesondere Schnarre und Melodie zu kombinieren) einiges an Übung nötig ist. Es ist nicht extrem schwer Drehleier zu lernen, aber auch nicht einfach. Auf jedenfall ist es kein instrument das man in ein "paar Stunden" beherrscht.

Zu der von Dir anvisierten Drehleier kann ich leider keine weiteren Infos geben, da mir der Instrumentenbauer bislang unbekannt ist. Da die Preise in $ angegeben sind nehme ich mal an er sitzt in den USA oder Kanada.
Meines Erachtens wäre es schon auf Grund der Entfernung günstiger ein Instrument von einem hiesigem Instrumentenbauer zu kaufen. Sollte irgendetwas kaputt gehen etc. dann ist es deutlich einfacher und leichter das reparieren zu lassen. Ich hätte kein gutes Gefühl wenn ich in so einem Fall mein Instrument erstmal über den großen Teich verschicken müsste...

D/G-Stimmung ist v.a. in Frankreich üblich. Hier im deutschsprachigen Raum ist die C/G- Stimmung (Melodie g, (g'); Bordung G,C; Schnarre c,(d)) verbreitet. Daher würde ich empfehlen auch ein darauf ausgelegtes Instrument zu kaufen, da Du dann auf Kursen etc. nicht der "Exot" bist.

Vom Eigenbau würde ich einem Anfänger eher abraten. Eine Drehleier ist ein recht komplexes Instrument und um damit vernünftig spielen zu können muss sie entsprechend eingerichtet sein etc. Ich bezweifle dass das hinzubekommen ist, wenn man nicht gut mit einer Drehleier und ihren Eigenarten betraut ist.
Wenn es denn schon ein Eigenbau sein muss dann würde ich empfehlen diese nur unter fachkundiger Anleitung zu wagen...

Wenn Du wirklich mit dem Drehleierspielen anfangen willst, dann empfehle ich dass Du Dir ein Instrument von einem namhaften hiesigen Instrumentenbauer anschaffst. (Im Forum findet sich eine ganze Liste an Instrumentenbauern teilweise mit Diskussionen zu Vor- und Nachteilen). Dabei musst Du entscheiden ob Du eher eine Leier willst die nah am historischen Vorbild ist (mit allen Vor- und Nachteilen) oder ein modernes Modell, das oft in Hinblick auf Spielbarkeit und Klangeigenschaften optimiert ist. (Ich habe beides, bevorzuge aber persönlich die moderne Leier sowohl wegen dem ausgewogeneren Klang als auch der leichteren Spielbarkeit).

Eine gute Leier solltest Du schon um die € 2000 bekommen. Günstigere Modelle müssen jedoch nicht per se schlecht sein, das hängt immer vom jeweiligen Instrument ab.

Abraten würde ich vom Kauf über irgendwelchen Onlineauktionen etc., da dort sowohl sehr gute aber auch völlig unbrauchbare Instrumente angeboten werden, dies aber ein Laie/Anfänger nur schwer entscheiden kann.

viele Grüße,
SN


RE: Noch ein Neuer... - panki - 09.12.2015

Hoi Stefan,
danke für die schnelle Antwort.
Das Argument mit der "exotischen" Stimmung wäre zu berücksichtigen. Werde gleich fragen, wie diese Drehleier gestimmt ist...
Der Eigenbau wäre  ein angeleiteter Bau von Karl M. Riedel, welcher ja schon lange Drehleiern usw baut und Erfahrung besitzt. Dies wäre eine Berchdesgadner Drehleier (Nachbau). Ich denke, dass bei diesem Kurs (immer nur mit einem "Schüler") die meisten Bauteile vorbereitet sind und in dieser Bau-Woche nur der Zusammebau stattfindet. Ich werde mich da mal schlau machen.
herzliche Grüße
panki


RE: Noch ein Neuer... - panki - 10.12.2015

Ich habe nachgefragt:
Die Stimmung ist:
"zitat"---
The tuning is G-C, the two melody strings are G, same octave, the trompette is C, the mouche G and the existing bass string is C.


RE: Noch ein Neuer... - panki - 14.12.2015

So,
ich habe nun, entgegen aller gerechtfertigten Ratschläge, die Moncur von altarwind.com ersteigert und sehe das als mein Lehrstück an. Diese Drehleier hat mich einfach gesucht und gefunden. Es musste wohl so sein.
Ich denke, dass ich mich da ganz mit dem Instrument einlassen muss. Die Musikerin (Vorbesitzerin) hat alle Tangenten noch mal geprüft und notfalls neu eingestell, doch für den Transport alle Saiten entspannt. Das wird meine erste Herausforderung sein, die richtige Stimmung wieder herzustellen. Die entsprechenden Fachliteratur ist ja gestern eingetroffen. Vom Stimmen eines selbstgebauten Monochords als "Einstieg" weiß ich zumindest, wie das Stimmen mit Stimmgerät funktioniert. Die hier im Forum vorgeschlagene App für Android fand ich aber wesentlich genauer und einfacher in der Handhabung; ausser, dass man das Smartphone nicht irgendwo festklemmen kann.
Parallel habe ich mich mit meinem Sohn (auch Einsteiger, doch sehr interessiert) für Mühlhausen angemeldet (natürlich je mit Leihinstrument)
Schaun mer mal, was draus wird. Shy

Gruß panki


RE: Noch ein Neuer... - Stefan R - 15.12.2015

(14.12.2015, 20:46)panki schrieb: So,
ich habe nun, entgegen aller gerechtfertigten Ratschläge, die Moncur von altarwind.com ersteigert und sehe das als mein Lehrstück an. Diese Drehleier hat mich einfach gesucht und gefunden. Es musste wohl so sein.
Ich denke, dass ich mich da ganz mit dem Instrument einlassen muss. Die Musikerin (Vorbesitzerin) hat alle Tangenten noch mal geprüft und notfalls neu eingestell, doch für den Transport alle Saiten entspannt. Das wird meine erste Herausforderung sein, die richtige Stimmung wieder herzustellen. Die entsprechenden Fachliteratur ist ja gestern eingetroffen. Vom Stimmen eines selbstgebauten Monochords als "Einstieg" weiß ich zumindest, wie das Stimmen mit Stimmgerät funktioniert. Die hier im Forum vorgeschlagene App für Android fand ich aber wesentlich genauer und einfacher in der Handhabung; ausser, dass man das Smartphone nicht irgendwo festklemmen kann.
Parallel habe ich mich mit meinem Sohn (auch Einsteiger, doch sehr interessiert) für Mühlhausen angemeldet (natürlich je mit Leihinstrument)
Schaun mer mal, was draus wird. Shy

Gruß panki

Hallo paniki,

viel Spaß und Erfolg mit der neuen Drehleier. Du wirst sehen, dass Stimmen der Saiten ist gar nicht so schwer zumal die Drehleier ja anscheinend mit Stimmmechaniken ausgestattet ist. Aus eigener Erfahrung würde ich Dir trotzdem den Kauf eines kleinen Stimmgerätes, dass sich am Instrument festklemmen lässt empfehlen. Gerade wenn man das Instrument bei  diffusem "Hintergrundlärm" stimmen will kann das sehr hilfreich sein.
Hier noch ein kleiner Tipp, um Frust zu vorzubeugen: Vermeide bitte das Rad zu berühren, das mag eine Drehleier gar nicht. Versuche nicht die Lager zu ölen (die Gefahr, dass dabei Öl aufs Rad kommt und dieses zerstört ist groß). Am Anfang würde ich außerdem raten die Fähnchen wenn möglich nicht zu verstellen (Die Saiten sollten beim Schwingen möglichst nicht/wenig an die Fähnchen stoßen ... und das vernünftig einzujustieren ist eine Sisyphusarbeit ...

viele Grüße,
SN


RE: Noch ein Neuer... - panki - 17.12.2015

Danke für die Aufmunterung. Wink
Wenn alles klappt, kommt das Paket mit meiner Drehleier aus England heute an.
Nun noch eine Frage: ich habe noch ein Buch "Drehleier Speilen lernen von Ina Lemm im Internet kaufen können.
Doch die DVD dazu gibts nirgends mehr. Kann ich mir diese von iregend jemand ausleihen bzw. gibt es noch einen Bezugsquelle?
Auf YouTube sind ja 3 Kapitel hochgeladen, das scheint aber nicht alles gewesen zu sein?
Gruß panki


RE: Noch ein Neuer... - Stefan R - 18.12.2015

(17.12.2015, 14:42)panki schrieb: Danke für die Aufmunterung. Wink  
Wenn alles klappt, kommt das Paket mit meiner Drehleier aus England heute an.
Nun noch eine Frage: ich habe noch ein Buch "Drehleier Speilen lernen von Ina Lemm im Internet kaufen können.
Doch die DVD dazu gibts nirgends mehr. Kann ich mir diese von iregend jemand ausleihen bzw. gibt es noch einen Bezugsquelle?
Auf YouTube sind ja 3 Kapitel hochgeladen, das scheint aber nicht alles gewesen zu sein?
Gruß panki

...Hast Du schon versucht die DVD direkt über Ina Lemm zu beziehen?

Folgende Literatur zur Drehleier könnte für Dich ebenfalls nützlich sein (Einen guten Anfängerkurs oder Stunden bei einem Lehrer können diese aber nicht ersetzen):

Die Drehleier: Feinabstimmung und Wartung  (viele Tips zum Einrichten des Instruments)
Die Drehleier: Grundlagen für Spiel und Wartung (v.a. die detaillierten Zeichnungen zur Haltung des Instruments, Handhabung der Schnarre etc. sind m.E. hilfreich)


RE: Noch ein Neuer... - panki - 18.12.2015

Hoi Stefan
Danke für die Info.
Ja, die entsprechenden Bücher habe ich bereits. Ina Lemm hatte ich auch direkt per email  angeschrieben, jedoch noch keine Antwort erhalten.
Die ersten Töne habe ich ebenfalls schon aus der Drehleier herausbekommen, nachdem ich sie nach meinen bislang dürftigen Kenntnissen gestimmt hatte.
Das Kolophonium muss die nächsten Tage auch eintrudeln, dann wird der Klang bestimmt besser. Die Drehleier wurde lange Zeit nicht benutzt.
Die Vorbesitzerin schrieb, dass die Drehleier ..."noch nicht richtig eingespielt sei"..., was immer das heißen mag.
Jedoch sind die Töne etwas "daneben", (laut Stimmgerät). Bevor ich mich jedoch an die Metallfähnchen mache, werde ich noch mal die einschlägige Literatur durchlesen, wie ich da am besten nach einander vorgehe. Nach Gehör stimmen traue ich mir (noch) nicht zu...
Die große Bordunsaite ist keine aufgezogen, obwohl das möglich wäre. Die Vorbeitzerin hat diese nie benötigt. Nun habe ich gelesen, dass diese bei G/C Stimmung "normalerweise ausgehängt" ist. Frage: Soll ich nun eine besorgen  oder hat das am Anfang zum Lernen erst mal Zeit? Eine kleine Bordunsaite ist ja vorhanden.

Was den Einstieg betrifft, habe ich mich für Mühlhausen angemeldet, da ich hier im Stuttgarter Raum bislang noch keinen Lehrer gefunden habe. Ist bestimmt für die Basics hilfreich.

LG panki


RE: Noch ein Neuer... - Pan - 19.12.2015

Was heißt "große" und was "kleine" Bordunsaite bei dir? Die Aussage "Ist normalerweise ausgehängt" hallte ich für unqualifiziert. Die Bordunsaiten geben dir mehr oder weniger vor, in welchen Tonarten du (mit Bordun) spielen kannst. Bei einer C/G Leier hast du für gewöhnlich je einen C und einen G Bordun, mit denen du in C und G spielen kannst. Wenn eine davon fehlt, kannst du in der anderen Tonart nur ohne Bordun spielen, was natürlich auch geht, aber wenn man ein Borduninstrument spielt, mag man ja normalerweise auch den Bordun haben... Wink
Ich würde also eine entsprechende Saite nachkaufen.

Damit man besser Tipps für die anderen Sachen geben kann: Wieviel musikalische Vorerfahrung hast du denn neben dem Trommeln?