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Neues vom TradTanzMusik-Videokanal - Druckversion

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Neues vom TradTanzMusik-Videokanal - bär - 31.08.2016

Pan sei dank haben wir jetzt eine custom-URL, die das Auffinden des Kanals
doch erheblich erleichtert. Fortan kann man also einfach unter
youtube.com/tradtanzmusik
in den Perlen traditioneller Tanzmusik aus handschriftlichen Quellen des
deutschsprachigen Raumes stöbern.
Es gab übrigends auch in den letzten Wochen trotz Sommerloch einige
neue Videos, allerdings leider keines mit Drehleier. Wer ändert das [Bild: smile.gif]
zukünftig?

Viel Spaß mit der Musik
Thomas


RE: Neues vom TradTanzMusik-Videokanal - bär - 16.05.2017

Es gibt zwei neue alte Tanzmusikstücke im Videokanal TradTanzMusik:

1) In Hamburg und in Altona – Hartwig-Handschrift (1877)
gespielt von Vivien Zeller (Geige)

Zu dieser schönen Polka gibt es auch einen Text:
In Hamburg und in Altona
da tragen Mädchen Hosen,
sie haben lange Stiefel an
und tanzen mit Matrosen.

Kennt jemand vielleicht noch mehr Strophen?


2) Nr. 75 "Poicže moje holcžki schitke kemni" aus dem Kralschen Geigenspielbuch (etwa 1780-90)
gespielt von Ralf Gehler (Schäferpfeife)

Ein sorbisches Tanzlied, von dem neben der Melodie nur der Textanfang erhalten ist.
Der Text bedeutet übersetzt:  "Kommt meine Mädels alle zu mir".



Die nächsten Drehleiervideos sind übrigends angekündigt und wohl auch schon in Arbeit.
Ich bin selbst schon sehr gespannt.


Viel Spaß beim Spielen, Singen, Hören und Tanzen
Thomas


RE: Neues vom TradTanzMusik-Videokanal - bär - 24.05.2017

Vor ein paar Tagen schon angekündigt, gibt es endlich mal wieder Drehleierfutter.

In den Handschriften v.a. aus dem 18. Jh. finden sich viele Stücke mit der Bezeichnung „Schwabisch“, „Schleifer“ oder „Lustig“ mit recht ähnlichen Melodien. Wie diese Stücke vor 250 Jahren geklungen haben und wie dazu getanzt wurde, weiß man eigentlich nicht so richtig. Einige spärliche Hinweise findet man in Texten über das Tanzen in jener Zeit. So liest man z.B. vom „lustig hüpfenden Schleifer“, vom „reißenden 3/8“, vom Tanz dazu als Liebeswerbung und davon, dass sie ursprünglich durch ein Tanzlied eingeleitet wurden. Aus all dem und mit der eigenen musikalischen und tänzerischen Erfahrung kann man sich jetzt ans Interpretieren machen.
Zu den Beispielen wie das gelingen kann, gesellen sich heute drei Melodien aus dem „Dantz Büchlein Dreyßer“ (datiert 1720), die stark an Schwabisch- und Schleifermelodien erinnern.
Gespielt werden sie von Hermann Haertel und Simon Wascher mit Geige und Drehleier.
Beide haben sich mit einem weiten Blick auf das Spannungsfeld Mazurek-Walzer-Bourrée an die musikalische und tänzerische Interpretation gemacht.

Der musikalische Teil ist hier zu erleben:
Aus dem „Dantz Büchlein Dreyßer“, gespielt von Hermann Haertel (Geige) und Simon Wascher (Drehleier):

Kupffer Schmitt (Nr. 48 in D)
Schwaben Däntz (Nr. 51 in D)
Nr. 31 in C

Den tänzerischen Teil der Interpretation der beiden gibt es beim Klangrauschtreffen (16.6.-18.6.)  in Hösseringen beim Workshop „Tanzen zu Melodien nach Art des 'Schwabisch'“.


Viel Spaß beim Spielen, Singen, Hören und Tanzen
Thomas


RE: Neues vom TradTanzMusik-Videokanal - bär - 10.06.2017

Einiges an Arbeit der letzten Tage ist jetzt geschafft, Übersetzungen der ganzen
Videobeschreibungen, neue Videos schneiden, der neue fb-Zögling erfordert auch
einigen Aufwand. Wir haben seit der Sommerbordunale einen Helfer, der uns einiges
abnimmt. Pan kümmert sich v.a. um den fb-Version des Kanals und bringt viele
Anregungen für Verbesserungen mit ein.

Heute ein Tanzmusik-Klassiker, der in zahlreichen Handschriften des  späten 18./frühen
19. Jahrhunderts zu finden ist. Z.B. in der Tanzsammlung Dahlhoff und im Tanzbuch
aus Arendsee. Aus letzterem stammt die von Vivien Zeller (Geige) gespielte Version
der Preußischen Exerzitien, die es jetzt auf TradTanzMusik gibt.

Preusch Exertitium, Tanzbuch aus Arendsee, gespielt v. Vivien Zeller (Geige)


Das Stück ist übrigends nicht das, was man als "reine Geigenmusik" bezeichnen würde,
es ist auch auf von Tonumfang eingeschränkteren Instumenten gut spielbar.

Viel Spaß beim Hören, Spielen, Tanzen
Thomas


RE: Neues vom TradTanzMusik-Videokanal - bär - 20.07.2017

Die Serie der Funde von schönen Stücken im schnelleren 3er-Takt hält an.
Als  ergiebige Fundgrube erweist sich das „Dantz Büchlein Dreyßer“ (datiert 1720).

Hieraus gibt es heute
Nr. 26, gespielt von Hermann Haertel (Geige) und Simon Wascher (Drehleier)

Viel Spaß beim Hören, Spielen, Tanzen
Thomas


RE: Neues vom TradTanzMusik-Videokanal - bär - 03.08.2017

Was schert mich das Sommerloch - gerade zurück aus Korrö (SE)
und immer noch voll von Geigenmusik und humpelnden 3er-Takten,
ist es mal wieder Zeit für Bordune und 2er-Takt:
"ein-mal hin,
ein-mal her,
rundher-um, das - ist nicht - schwer"
kennt wohl jeder, der irgendwas mit folk oder Volksmusik und den
damit verbundenen Tänzen zu tun hat.
Zu den beliebtesten Tänzen zählt heute sicherlich der Schottisch.
Die heute vorgestellte Melodie ist ein solcher und heißt sogar so.
Zu den ältesten Schottischen die ich kenne, gehören die aus dem
Notenbuch des Heinrich Nicol Philipp (Seibis -Thüringen/Franken, 1784).

Heute gibt es also
Schottisch Nr. 103 aus dem Notenbuch des Heinrich Nicol Philipp,
gespielt von Ralf Gehler (Schäferpfeife G/C)

Nr. 103 nennen wir ihn, weil er in der Teilabschrift von E. Zachmeier
eben unter dieser Nummer zu finden ist.

Viel Spaß damit!
Thomas


RE: Neues vom TradTanzMusik-Videokanal - bär - 07.09.2017

Morgen startet das Windros-Festival in Schwerin-Mueß. Das heute vorgestellte Stück
wird dort auf alle Fälle, gespielt vom Pipenbockorchester, erklingen:

Ein Teusch aus der Handschrift des Heinrich Nicol Philipp, Seibis, 1784.
Also:
Teusch Nr. 5, gespielt von Ralf Gehler (Schäferpfeife in G/C)

TradTanzMusik enthält in der Playlist "Band-/Session-Beispiele" für einige der vorgestellten
Stücke auch Beispiele für Interpretationen von Solisten oder Bands und für Sessionaufnahmen.
Den heute vorgestellten Teusch gibt's gleich zweimal:

gespielt vom Pipenbockorchester zum Tanz in der Wabe (leider nur ein kurzer Schnipsel)
gespielt auf einem Dreibrümmchen

Macht in Summe heut übrigends 13 Dudelsäcke, eine Trommel, eine Darabuka (glaub ich)
und eine Gitarre. Bordun satt, sozusagen, freut ja vielleicht auch Drehleierspieler.

Viel Spaß damit,
Thomas


RE: Neues vom TradTanzMusik-Videokanal - bär - 27.09.2017

Heute gibt es eine Premiere - die erste Nyckelharpa taucht auf unserem
Videokanal auf! Zu hören gibt es ein Tanzlied aus dem Kralschen
Geigenspielbuch, das in der Zeit um etwa 1790 entstand. Der sorbische
Textanfang der über den Originalnoten steht bedeutet etwa "Ach du
niedlicher schöner lieber mein, wie bist du so geschickt", was auch
immer damit gemeint sein mag.  Hier erklingt es allerdings ohne Worte.

Also:
Nr. 39 [sorbisches Tanzlied], Kralsches Geigenspielbuch, um 1790
Hier gespielt von Björn Kaidel (Nyckelharpa).
 

Zuletzt gehört habe ich es übrigens vor ein paar Monaten bei einer
Session u.a. mit Musikern der Band Serbska Reja. Und die haben dieses
und etwa 100 weitere Stücke aus ihrem Sessionrepertoire als schönes Buch
mit dem Titel "Łužyske rejowarske. Łužiske rejwarske. Lausitzer
Spielbuch. Lusatian Sessionbook" zusammengefasst. Es enthält überwiegend
Stücke aus Lausitzer Quellen. Hier gibt es weitere Informationen:
https://serbskareja.wordpress.com/notentexte/

Viel Spaß beim Spielen, Singen, Hören und Tanzen
Thomas


RE: Neues vom TradTanzMusik-Videokanal - bär - 13.10.2017

Das 50. Video auf TradTanzMusik ist nun veröffentlicht.
Und wieder eine Premiere - die erste Gitarre!

Die intensive Beschäftigung mit der Tanzmusik des 18./19. Jahrhunderts
hat hat für mich einige Überraschungen gebracht. Dazu gehört die weite
geografische Verbreitung von Melodien und die großen Zeitspannen in
denen manche Melodien anscheinend populär waren. Für mich war die erste
Melodie die mich darauf gestoßen hat die "Schartlusie" aus der
Tanzsammlung Dahlhoff. Ich kannte das Stück damals als "Pannkauken" aus
dem Tanzbuch aus Arendsee. Mittlerweile sind neben den genannten Quellen
aus Dinker (Westfalen) und Arendsee (Rostock) mindestens 5 weitere aus
Wolfenbüttel, Antwerpen, Paris (2x) und Danzig bekannt, die einen
Zeitraum von nahezu 100 Jahren abdecken. Das Stück taucht als La
Jalousie, Salusie, Schartlusie, Pannkauken und als Contre Danze auf.

Heute gibt es also die Schartlusie aus der Tanzsammlung Dahlhoff,
gespielt von Jürgen Treyz (Gitarre)

Viel Spaß beim Spielen, Singen, Hören und Tanzen
Thomas


RE: Neues vom TradTanzMusik-Videokanal - bär - 25.10.2017

Das nächste Drehleiervideo lässt noch auf sich warten - aber nicht
mehr lang, die Aufnahmen sind da, in den nächsten Tagen werde ich
es schneiden.
Aber immerhin ein Bordunistrument:
diesmal Mudder Witsch, gespielt von Ralf Gehler (Schäferpfeife in G/C)

"Mudder Witsch, Mudder Witsch kiek mi mol an,
wo ick den Bummelschott'sch tanzen kann.
Eenmal up de Hacken, eenmal up de Teen,
ei Mudder Witsch wo geit dat scheen."

Mudder Witsch, manchmal auch Modder Witsch, gehört wohl zu den in
Norddeutschland bekanntesten Tanzmelodien.
1868 beschreibt der Tierarzt Christian Gilow eine mecklenburgische
Hochzeit (Gilow, Chr.: De Hochtid, Selbstverlag, Anklam, 1868).
Neben allen möglichen Hochzeitsgebräuchen führt er auch Tänze auf, z.B.
bunt Schört, Plummenplücke, Rükelrei, Engelsch Geck, Hannaksch,
Scheperdanz, schrap den Ketel ut, Kierut, Grotvaredanz. Das halbe
Arendseeer Notenbuch scheint vertreten. Außerdem findet sich ein
Abschnitt "Tanzlieder oder Lieder die nach Tanzmelodien gesungen
werden". Auch hier wieder viele Bekannte, u.a. eben Mudder Witsch.

Hier allerdings mit diesem Text:

"Mutté Witsch, Mutté Witsch, wat's dat för'n Dink,
Dat gistern in unsern Gorden ging,
Half witt, half schwart, het roore Bein,
Sôn Dink hef ick sîn Dag nich sein."

Die Melodie findet sich in verschiedenen Handschriften, z.B. Tanzheft
Lücke (Mirow, um 1900), Hanschrift August Dehmlow (Siedenbollentin,
Mitte 19. Jh.). Dabei sind die A-Teile (auf die die Texte gesungen
werden) oft sehr ähnlich, die B-Teile unterscheiden sich z.T. stark.

Viel Spaß damit
Thomas