Neuer Tanzmusik-Videokanal online
#1
Hiho,

seit einem halben Jahr gärte bei uns (Vivien Zeller und mir) nun schon die Idee eines
Videokanals für Tanzmusik aus Quellen des deutschsprachigen Raumes (17.-20. Jh.).

Nun ist es soweit.
Wir haben einen youtube-Kanal mit Namen TradTanzMusik erstellt und
Videos von verschiedenen Musikern (auch mit Drehleiern) aufgenommen.
Eine erste Auswahl findet ihr hier.

Mit dabei sind u.a.:
Simon Wascher (Drehleier) - Musikalisch-Türkischer Eulenspiegel
Matthias Branschke (säckpipa) – Wernigeröder Tanzbüchlein


Wir freuen uns auf rege Nutzung.
Neue Videos werden fortlaufend auf dem Kanal online gestellt werden.

Die Idee von TradTanzMusik ist es, Melodien aus Tanzmusiksammlungen,
Spielbüchern von Musikanten und Tanzmeisterheften in einer der
möglichen Interpretationen vorzustellen und euch das Lernen der Stücke
nach Gehör zu ermöglichen.

Die Musiker stellen eine Melodie vor und am Ende des Videos gibt es
immer eine langsame Version zum mitspielen.

Zu jeder Melodie ist die Quelle und nach Möglichkeit auch die
Bezugsquelle angegeben, so dass ihr weiter stöbern könnt. Wo eine schöne
Melodie zu finden ist, gibt es sicher noch mehr.

Die Einspielungen erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder
gar auf eine "historisch korrekte Interpretation".

Wir freuen uns einfach, wenn diese Melodien verbreitet und zu Musik von
heute werden. Egal ob in sessions, zum Tanz, als Bandarrangement oder
gepfiffen unter der Dusche.

Weitere Quellen, ein umfangreiches Quellenverzeichnis gibt es übrigens
unter www.tanzmusikarchiv.de.


Viele Grüße
Thomas
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#2
Sehr geile Sache!
Drehleiern kennen sehr wohl die Gesetze die Physik,
aber sie interessieren sich für diese nicht besonders.
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#3
Wirklich sehr cool! Schau mir die Videos gleich mal an!

/edit: Der Link zur Quelle im Video mit Simon Wascher funktioniert bei mir nicht, klappts bei jemandem von euch?
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#4
(15.02.2016, 17:51)Pan schrieb: Wirklich sehr cool! Schau mir die Videos gleich mal an!

/edit: Der Link zur Quelle im Video mit Simon Wascher funktioniert bei mir nicht, klappts bei jemandem von euch?

Sorry, jetzt funktioniert der link. Danke für den Hinweis!

Viele Grüße
Thomas
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#5
Hier kommt der versprochene Nachschub mit Tanzmusikmelodien auf TradTanzMusik:


1) „Menuet A-Moll“ (Tanzsammlung Dahlhoff I/121):

Das Stück erinnert sehr an das als „33b“ bekannte Menuett aus der Sammlung von Rasmus Storm (Funen, Dänemark, um 1760), was ja lange ein ziemlicher Sessionhit u.a. bei vielen Dudelsack- und Drehleierspielkursen war.
Hier gespielt von Ernst Poets auf Konzertina.


2) Angloise Nr. 12 aus dem Wernigeröder Tanzbüchlein (1786).
Ganz klar eines meiner Lieblingsstücke überhaupt.
Hier gespielt von Vivien Zeller (Geige), aber wohl auch gut für Drehleier geeignet.

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Ich hab den Tanzmusik-Videokanal um eine Playlist „Bands-Favoriten“ erweitert.
Hier gibt es Beispiele für in der Melodiesammlung vorgestellte Stücke, wie sie von Bands gespielt werden.
Derzeit findet ihr hier das Trio Gällmo/Branschke/Haertel und die KlangRauschQuadrillenBand mit der o.g. Anglaise, beides Aufnahmen, in denen auch Dudelsäcke mitspielen.

Viele Grüße
Thomas
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#6
... und weiter geht's mit zwei neuen Videos. Heute mit 2xW - Tanzmusik-Handschriften
aus Wittenberg und Wippstetten:


1) Polonaise Nr. 19 Wittenberger Apothekenhandschrift (verm. 18. Jh.)
hier gespielt auf und bearbeitet für Säckpipa von Matthias Branschke


Das Stück kommt aus einer Sammlung mit überwiegend Polonaisen,
lt. Archivar der städtischen Sammlungen Wittenberg gefunden in einem
Giftschrank einer Wittenberger Apotheke. Kam dann direkt aus dem Giftschrank
ins Archiv und erklingt jetzt zum ersten mal so richtig öffentlich. Also: absolute Weltpremiere!
Leider ist es bisher nicht gelungen, das Wittenberger Archiv zur Veröffentlichung des
Digitalisats der Handschrift zu bewegen. Darum gibt es am Ende des Videos eine
Abschrift des unbearbeiteten Originals.



2) Danzl Nr.22 (Ana Maria Leyrsederin zu Koplaint Negst Wippstötten Anno 1761)
hier gespielt von Birgit Ströbitzer und Hermann Haertel (Geige)

Niederbayerische Tanzmusik aus der Mitte des 18. Jh. ist hier zu hören.
Und die klingt für meine Berliner Ohren so gar nicht nach dem, was man mit
heutigen Hörgewohnheiten i.d.R. mit dem Begriff Niederbayerische Tanzmusik verbindet.
Und das nicht nur, wegen der merkwürdigen Tonalität vieler Stücke (mit erhöhter
vierter Stufe, also z.B. d# in Stücken in A).


Wie das ganze von der Band F.L.Spifnik mit Geigen, Akkordeon und Bassklarinette klingt,
hört man hier ab 2:35.

-----------------------------------------

Im zweiten Teil unserer Videos werden die Stücke wieder langsam zum Lernen gespielt.
Die genauen Quellenangaben und ggf. Bezugsquellen sind im Abspann angegeben.

Viel Spaß beim Hören und Lernen
Thomas
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#7
Echt eine schöne Sache der Kanal! Und mal wieder schöne Videos und Tunes!
Ist die zweite Stimme vom Danzl auch aus dem Manuskript?

Zum "Giftschrankmanuskript": Denkst du, es könnte helfen, die zum Online-Veröffentlichen zu bewegen, wenn mln mehrere Leute unabhängig Mails mit einer Anfrage danach an das Archiv senden würden? Wenn ja, an wen müsste ich mich wenden? Big Grin
Antworten
#8
(24.03.2016, 00:41)Pan schrieb: Zum "Giftschrankmanuskript": Denkst du, es könnte helfen, die zum Online-Veröffentlichen zu bewegen, wenn man mehrere Leute unabhängig Mails mit einer Anfrage danach an das Archiv senden würden? Wenn ja, an wen müsste ich mich wenden? Big Grin

Mailstorm? Ich wär' dabei! Big Grin
„Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“
Thomas Morus (1478-1535)
Antworten
#9
(24.03.2016, 00:41)Pan schrieb: Echt eine schöne Sache der Kanal! Und mal wieder schöne Videos und Tunes!
Ist die zweite Stimme vom Danzl auch aus dem Manuskript?

Zum "Giftschrankmanuskript": Denkst du, es könnte helfen, die zum Online-Veröffentlichen zu bewegen, wenn mln mehrere Leute unabhängig Mails mit einer Anfrage danach an das Archiv senden würden? Wenn ja, an wen müsste ich mich wenden? Big Grin

Sorry für die späte Antwort - ich hab deine Fragen erst jetzt (durch Zufall) entdeckt.

1) Zweite Stimme Danzl No 22:
ja, beides sind Originalstimmen. Genaus wie von Nr. 57, was ja auch auf TradTanzMusik zu sehen ist.

2) Wittenberger Apothekenhandschrift:
Nein, den Anschein hat es nicht. Matthias Branschke ist da auch weiter dran. Es wird aller Vorraussicht
nach eine Veröffentlichung auf die eine oder andere Art geben (als Original, als Abschrift oder beides).
Wir sind hier aber wie gesagt noch im Klärungsprozess. Mein Eindruck ist, dass eine Mailschwemme
derzeit dem Vorhaben nicht förderlich wäre.
Übrigends ist die Datierung der Handschrift jetzt etwas klarer. Matthias Branschke ist auf den Eintrag
"Gift Buch 1768" gestoßen, den bisher alle Leser übersehen hatten. Das heißt nicht, dass die Noten
zwangsläufig von 1768 sind. Es unterstützt aber zumindest die zeitliche Einordnung "18. Jahrhundert".
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#10
Heute gibt es ein paar Beispiele von Interpretationen von Stücken aus einer
Handschrift von 1800 „Diverses Denses pour Violon pour Monsieur Nahke, Leipzig, 1800“.
Sommerbordunale-Besuchern wird vielleicht das dritte Stück noch im Ohr sein - das gab es im
Repertoirekurs von Merit Zloch.

No. 28 Engloise, gespielt von Kristina Künzel (Schäferpfeife)

No. 42 Mazur, gespielt von Hermann Härtel (Geige)

No. 44 Mazur, gespielt von Vivien Zeller (Geige) (u.a. gespielt beim Repertoirekurs auf
der Sommerbordunale und mit seeehr viel Hitpotential)

No. 45 Mazur, gespielt von Birgit Ströbitzer (Geige) (seit Dreilützow 2015
extrem-trance-session erprobt - für Musiker und Tänzer!)

Wie immer werden alle Stücke zum Schluss in einer langsamen Version zum
Lernen vorgestellt.
Die Noten (als gut lesbares Digitalisat der gesamten Handschrift) dazu und eine grobe Inhaltsangabe
findet ihr hier.
Falls sich jemand über die Mazur-Häufung wundert - wie es aussieht, haben die es den hier
spielenden Geigern besonders angetan. Die Handschrift enthält aber eigentlich alle Tänze,
die man für diese Zeit so erwarten würde. Am häufigsten sind Angloisen und Polonaisen, aber auch
Quadrillen, Walzer und eben Mazur enthalten.

Viel Spaß damit
Thomas
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