Kann ich Drehleier spielen?
#1
Servus Freunde,

nun habe ich mich doch mal hier angemeldet, nachdem ich schon vor Jahren hier mal kurz stiller Mitleser war.  Big Grin

Ich reihe mich somit ein in die Thread-Ersteller ala "Drehleier Ja/Nein und wenn ja welche".

Aber erst kurz zu mir:

Ich bin 29 und habe keine musikalische Ausbildung genießen dürfen.
Mein Vater war seinerzeit begeisterter Trompetenspieler aber das war es dann auch schon von familiärer Seite.

Ich selbst brachte mir vor fast 10 Jahren autodidaktisch die Mandoline bei und erreichte einen fortgeschrittenen Status, der zum klimpern zu Hause und für den Spaß reichte.
Vor allem Bluegrass und Medieval hatten es mir angetan und ich studierte die Lieder nach Tabs ein.
Zwar kann ich Noten von der Schule her lesen aber eben nicht wirklich intuitiv, daher ging es mit Tabs einfach schneller für mich.

2012 erlitt ich einen Einsatzunfall bei dem ich das Gefühl in zwei von drei Nerven in der rechten Hand verloren habe.
Damit war das Thema Mandoline von einen Tag auf den anderen zu 100 % erledigt für mich.
Glücklicherweise bin ich Linkshänder und deshalb versuchte ich es nach zwei Jahren nochmal mit meiner Linkshänder-Mandoline, allerdings fällt es mir einfach zu schwer ein dünnes Plektrum rechts zu halten, geschweige denn einzelne Saiten ordentlich zu zupfen.

Als ich damals von der Entscheidung stand mir eine Mandoline zu kaufen war tatsächlich auch die Drehleier ein Randthema.
Damals war mir diese allerdings zu teuer und ich hatte weitere Anstrengungen in dieser Richtung verworfen.
Wie es der Zufall will habe ich diese Woche ein paar Videos geschaut und ohne es zu wollen wurde ich wieder mit der Drehleier konfrontiert...Zufall?  Wink

Das Grundlegende wäre in diesem Fall, dass ich die Klaviatur bei einer normalen Drehleier ja sowieso links bedienen müsste und das Gefühl für die Kurbel rechts meiner Meinung nach mit Übung reichen sollte, da ich lediglich in den feinen Gliedern der Finger nichts mehr spüre.

Vom Musikgeschmack her bin ich echt weit aufgestellt, allerdings würde ich mir für eine Drehleier zum Spielen etwas in Richtung Shanty, Medieval (+Rock) und Folk Metal wünschen.
Optisch würde ich mir etwas Moderneres vorstellen ala Gotschy - Phoenix Abraxas...ganz grob. 
Anwendungsgebiet wäre, wie gesagt, der heimische Bereich (Mietwohnung) zum Entspannen, Lernen und Spaß haben.

Eine der großen Fragen die sich mir stellt ist die Ausstattung...was BRAUCHE ich, was ist unnötig?
Was ich so sehe sind jedenfalls zwei Schnarren sinnvoll und zwei Bordune. Bei den Melodiesaiten weiß ich gar nicht ob zwei oder drei?
Vier Resonazsaiten wären wohl auch gut, könnten aber wohl nachgerüstet werden?
Also kurzum wäre ich euch dankbar für einen Leitfaden zur Saitenausstattung.

Ich werde mir jetzt sicher in den nächsten Wochen keine Leier kaufen aber ich hätte gerne mal einen groben Stoß in die richtige Richtung.
Auch von den Bauern her wäre ich für Tipps dankbar. Preislich sollte es allerdings realistisch bleiben...sprich 5.000 Euro sind mir für ein Instrument leider schon deutlich zu viel.

Also zusammengefasst: 
Denkt ihr eine Drehleier wäre eine Überlegung für mich wert?
Könntet ihr mir einen kleinen Ausstattungsleitfaden geben?
Eventuell ein paar Tipps zu den Bauern/Preisen/Verhältnis.

Danke im Voraus  Cool
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#2
Hallo,

ich möchte mich vor meinem Erfahrungshintergrund nur zu einem Aspekt äußern: Bei mir (Rechtshänder) war verletzungsbedingt links der N. medianus, also zwangsläufig einer von deinen beiden, durchtrennt und musste notfallmäßig zusammengefrickelt werden. Ein Abgreifen von Saiten war danach nicht mehr möglich. Hier haben sich die Tangenten der Drehleier als hilfreich erwiesen. In deinem Fall sollte das Umfassen des Kurbelgriffs wie auch das Schlagen kein allzu großes Problem darstellen, außer dass es noch mehr Selbstdisziplin kostet. Beim Spiel mit Schlag erhältst du ein permanentes akustisches Feedback und im ungünstigsten Fall rutscht nur mal die Kurbel weg. Eine optische Kontrolle hast du zusätzlich. Ansonsten wird da vieles vom Gehirn mit der Zeit kompensiert. Außerdem kann im Laufe der Jahre wieder mehr Gefühl in den Fingern zurückkommen. Das kann, ebenfalls nach eigener Erfahrung, wesentlich länger als dauern als der von dir genannte Zeitraum. Kurzum: Alles spricht FÜR die Drehleier!
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#3
...zu einem Aspekt ein Tipp: Achte bei der Wahl der Leier auf die Lautstärke ...Stichwort: Mietwohnung. Meine Gotschy-Lautenleier ist sehr laut.

Meiner Meinung nach brauchts du nur drei Melodiesaiten, wenn du viel mit anderen Instrumenten zusammen spielst. Resonanzsaiten sind nett, aber nicht unbedingt nötig.
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#4
Ich danke euch erstmal für eure Antworten.

@aXis: Zum Thema Nerv ist bei mir der Medianus schwer beschädigt und der Radialis teillädiert. Dem Ulnaris geht es soweit noch ganz gut.
Saiten zupfen geht von dem her nicht mehr, wie du dir vorstellen kannst, allerdings kann ich noch eher normal greifen. Ich denke auch, dass ich mich motorisch "reinkurbeln" könnte  Big Grin
Langfristig könnte das Instrument auch als eine Art Beübung der Nerven dienen, aber das soll jetzt nicht ausarten hier.

@luigi: Dass die Gotschys lauter sind habe ich tatsächlich schon mal gelesen und du bestätigst es wieder.
Mir wäre ein guter Klang lieber als große Lautstärke. 
Vom Klang her habe ich schon gelesen, dass zB. Simons eher knackiger ist und Hilsmann eher weich?
Zu Weichselbaumer habe ich noch keine Richtung gelesen.
Ich muss zugeben, dass ich selbst nicht sicher bin welcher Klang eher etwas für meine Wünsche wäre.
Ich werde ja schon gut durch diverse Musiker und Videos angefixt wo ich denke "wow in ein paar Jahren würde ich das gerne ansatzweise in der Richtung können".
Dass da sehr viel Wünschen, Träumen und Arbeit drin steckt und ich nicht gleich nach einem Jahr gut spielen kann steht außer Frage.

Ich stehe auch sehr stark auf verrückte Sounds und moderne, rockige Sachen.
Was mich derzeit stark beeindruckt sind zB diese beiden hier:

https://youtu.be/pyIXR3s8OtY
https://youtu.be/W0DrXyzlHM8

Zweiteres völlig verrückt aber dermaßen faszinierend!  Big Grin

Vor ein paar Jahren war ich sehr stark auf so etwas fixiert:

https://youtu.be/9t8TFGTAAoU

Durch die Schilderung meiner Möglichkeiten durch die Behinderung versteht ihr vielleicht warum mich die Drehleier als modernes Instrument interessiert und könnt mir einen Tipp zum Thema Klang/Bauer gehen, das wäre toll.

Da ich wohl in den nächsten Jahren nicht mit anderen Instrumenten spielen würde, wäre ich also mit zwei Melodiesaiten gut versorgt, wie ich verstehe.
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#5
Ich hab noch keine Gotschy-Lautenleier in echt gehört, aber nach meinen Erfahrungen mit den Phoenix-Modellen sind diese häufig leiser, als andere Instrumente (habe selbst eine Phoenix Ultra). Gerade was die Melodiesaiten angeht. Die Schnarren sind dafür etwas schärfer.

Bei Weichselbaumer fangen die Instrumente erst jenseits von 5000€ an, ist für dich also wohl eher nicht so interessant.

Das Beste für dich dürfte sein, dass du mal auf ein Festival mit starkem Leieranteil (z.B. Sommerbordunale) oder einen Anfängerkurs gehst. Da kannst du dir selbst ein Bild vom Klang verschiedenster Instrumente machen. Per Text ist das doch etwas schwierig. Das hätte auch den Vorteil, dass du direkt ausprobieren kannst, ob du das Instrument spielen kannst (Kleine Anekdote am Rande: Es gibt sogar Drehleierspieler, die keine rechte Hand mehr haben und dann über einen Aufsatz die Kurbel mit ihrem Stumpf bedienen... und trotzdem schnarren können... irgendeine Lösung würde sich da bestimmt finden lassen).

Obwohl die Drehleier ein Nischeninstrument ist, gibt es von solchen Kursen recht viele in Deutschland. Wo wohnst du denn?

An Ausrüstung würde ich dir 2-3 Melodiesaiten, 2 Bordune mit Kapodaster und 2 Schnarren mit Kapodaster empfehlen. Resonanzsaiten sind auch schön und falls möglich, würd ich drüber nachdenken.
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#6
Doch noch ein Wort zur Ausstattung: Da würde ich nur sparen, wo man später am einfachsten und kostengünstig nachrüsten kann. Kapodaster nur als Beispiel. Bei den Melodiesaiten, auch nur ein Beispiel, wäre das schon aufwändiger und das Kosten-Nutzungsverhältnis fragwürdig. Da würde ich mir schon vorher Gedanken machen, wohin die eigene musikalische Entwicklung gehen könnte. Bei nur zwei Melodiesaiten wäre aus meiner Sicht eine Schnarrsaite ausreichend. 

Auf Resonanzsaiten würde ich niemals verzichten wollen. Die richtigen Saiten und gut gestimmt sind sie eine echte Bereicherung des Klangs; obertonreicher, klangfüllend und eben auch resonanter und weniger trocken was das Instrument betrifft. Verstärkt, lässt sich mit Ihnen auch richtig arbeiten, wenn man gerne mit Klängen experimentiert. 

Zwar habe ich keinen unmittelbaren Vergleich, aber die lautenförmige Drehleier von Gotschy dürfte sich lautstärkemäßig nochmal von den übrigen Gotschy-Leiern abheben. In einem gewissen Rahmen kannst du durch Besaitung und Einrichtung der Leier durchaus noch selbst Einfluss auf Klang und Lautstärke nehmen.

Wenn ich also deine musikalischen Vorstellungen in Relation zur Drehleier und deinem Kostenrahmen stelle, so bietet sich für dich wohl am ehesten eine Gotschy-Leier an. Neu oder auch gebraucht. Optisch und von der Ausstattung werden da alle Geschmäcker bedient. Andere als die von Gotschy und Reichmann, tauchen hierzulande eher selten auf dem Gebrauchtmarkt auf.

PS: Da war Pan wohl schneller im Tippen als ich...
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#7
Ich freue mich über die Beteiligung und die guten Tipps von euch.

@Pan: Ich wohne in Bayern, genauer Chiemgau.

Weichselbaumer habe ich tatsächlich von Anfang an ausgeschlossen, nachdem ich was über die Preise gehört habe.

Gotschy scheint also keine schlechte Wahl zu sein was ich hier höre.
Könnt ihr mir noch etwas zu Simons sagen?
zB die Pixel schreibt ja auch Recht beliebt zu sein.
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#8
Moin!

Das mit der rechten Hand sollte beim Drehleierspielen kein Problem darstellen.
Einen der Schnupperkurse zu besuchen, wäre mal eine Überlegung wert.

Die Leiern von Walter Simons finde ich persönlich gut, aber vor einer Weile ist der Preis erheblich gestiegen und soweit ich weiß, sind sie optisch nicht Jedermanns Sache, ich war allerdings auch eher von seinen teureren Modellen angetan, welche dein Budget sicher übersteigen.

Bezüglich der Saitenmenge:
Eine Schnarre mit Kapos reicht den meisten aus, denn auf einer c/d-Schnarre funktionieren bereits die meisten Modi von C,D und G.
Wenn dann noch ein e-Kapo dabei ist, laufen zusätzlich noch E, A und H, sofern das Stück halbwegs bequem auf die Tastatur passt.
Man kann natürlich auch eine tiefere G-Schnarre aufziehen und hat dann einen entsprechend anderen Klang bei ähnlichen Tonarten, ich bin ja inzwischen ein Freund von tieferen Schnarren.
Mehrere Schnarrsaiten bedeuten einen deutlich größeren Konstruktionsaufwand und damit auch Kosten.
Was die Melodiesaiten angeht, so hängt der Bedarf an einer dritten davon ab, ob man öfters in strammen Powerchords spielen will (ist den meisten deutlich zu penetrant und kann man bei Dur z.B. eigentlich eh vergessen), kein Problem mit noch mehr Wartungsaufwand hat (viele Fähnchen!) und noch mehr Geld ausgeben will, denn eine dritte Melodiesaite bedeutet auch wieder einen deutlich Mehraufwand bei der Konstruktion und Feinabstimmung.

Ich habe eine fünfsaitige gebrauchte Phoenix Abraxas mit speziellen Metallfähnchen, 8(!) Kapos, maßgefertigtem Flightcase (passte mit den vielen Kapos nicht mehr in den alten Koffer) und stimmstabilen Saiten abzugeben, muss sie nur wieder etwas frisch machen, wozu ich hoffenlich in den nächsten Wochen komme, sollte also noch Interesse an einer bestehen, bitte melden, ich wollte sie hier eh demnächst reinstellen, da ich inzwischen nur noch meine eigens konstruierte spiele und in Instrumenten versinke.
Für Folk-Rock ist die ziemlich ideal, habe sie mir im Winter 2006 für Folk-Metal bauen lassen aber leider nie eine solche Band zusammenbekommen und war stattdessen nur auf Bal Folk Sessions unterwegs, daher kennen sie manche hier mit den Upgrades sicher auch schon.
„Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“
Thomas Morus (1478-1535)
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#9
Liebe Leute, auf facebook läuft gerade ein verwandter thread. Dabei bin ich dann auch endlich auf den Namen gestoßen, der mir nicht einfiel:

Kevin Dalot. Hier sein youtube-Kanal:
https://www.youtube.com/user/Ptitponey2612

Liebe Grüße, Merit Zloch
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