Grundlegende Fragen zum bau & Pläne
#1
Question 
Hallo Zusammen

Ich bin ein riesen Mittelalter Fan und liebäugle schon sehr lange mit einer Drehleier. Da das ganze sehr schnell sehr teuer werden kann spiele ich mit dem Gedanken mir eine selber zubauen. Da mir die TK 10 von Simons sehr gefällt, diese würde ich auch kaufen wenn die Wartezeit nicht so lange währe, orientieren sich meine Entwürfe daran. Ja eine geschwungenen Form ist nicht einfach aber ich habe schon Holz gebogen und eine Kastenleier möchte ich nicht bauen.

Da ich jedoch ein absoluter Laie bin was Musik angeht (kein Taktgefühl und keinen blassen Schimmer von Noten o.ä.) tue ich mich teilweise recht schwer mit der Informationsbeschaffung im Internet. Ich habe mittlerweile einiges Recherchiert und habe schon einige Skizzen und Dokumente mit Informationen angelegt. Jedoch gibt es da immer noch riesen grosse Lücken die Ihr mir hoffentlich schliessen könnt, bevor ich überhaupt nur daran denken kann mit dem Bau zu beginnen.
Handwerklich sollte ich das ohne Probleme hinbekommen. 

Was ich schon mehr oder weniger sicher weiss:
-Mensur länge ca. 345mm
-Länge der Kurbel zwischen 65 & 70mm
-Rad mit 18 oder 14cm Durchmesser (französisch oder Ungarisch)
-10 Tasten oben, chromatische halbtöne
-14 Tasten unten, diatonisch
-Taster für hohe Töne: chromatisch in der Mitte der Diatonischen anordnen
-Taster für tiefe Töne: übereinander

-Optisch einer TK 10 von Simons ähnlich 

Also mal als erstes: Wie viele Saiten machen für einen blutigen Anfänger wie ich einer bin überhaupt Sinn? 2 Melodie, 2 Burdon und eine Schnarrensaite? 
An die die schon eine gebaut haben: Macht es Sinn die Leier so zubauen das man mehr Saiten einspannen kann um für später gerüstet zu sein? Also z.B.: 2 Melodie Saiten am Anfang verwenden aber die Leier so bauen das man später 3 oder 4 einspannen kann?
Oder baut ihr euch bei gestiegenen Ansprüchen einfach eine neue?  Tongue
Aktuelle würde ich das wohl so bauen das ich 3-4 Melodie, 2-3 Schanrren und 3 Burdonsaiten aufspannen kann. Über Resonaze Saiten mach ich mir jetzt mal noch keine Gedanken-

2. Wie sieht das ganze bei einer Leier mit dem Resonanz Körper aus? Wie gut muss dieser gefertigt werden damit es ordentlich klingt? Habt ihr Tipps und/oder dinge die man auf keinen Fall machen sollte?

3. Am meisten sorgen macht mir ehrlich gesagt das Rad. Da ich keine Drechselbank habe weiss ich nicht wie ich das machen soll. Ich habe im Netz eine Variante gesehen die ich mit meinen Werkzeugen hinbekommen könnte. Und zwar sägt man sich aus Sperrholz eine Scheibe, schleift diese möglichst rund und klebt danach ein dünnes Stück Holz rundherum. Ist das zu empfehlen? Ich denke das könnte sehr schnell zu einem nicht genug rundem Rad führen.
Wie sieht es mit dem Durchmesser aus? Ich weiss das es grundsätzlich 2 Masse dafür gibt, 14cm (Ungarisch) und 18cm (französich). Was macht da mehr Sinn? 
Gibt es Drehleierbauer die welche verkaufen? Wie habt ihr das Rad gefertigt?

4. Der Abstand vom vorderen Steg zu den jeweiligen Tastern machen mir das grösste Kopfzerbrechen. Wie komme ich auf die richtigen Masse dafür? Gibt es dafür Tabellen (bisher habe ich keine gefunden) oder lässt sich das ausrechen?

5. Vor dem bau muss man sich ja auch schon Gedanken machen wie man die Leier stimmen will da es da ja Unterschiede gibt und sich diese sogar auf die Position der Taster auswirken. Ich habe gesehen das es da harmonisch oder modern o.ä. gibt. 
Dem stehe ich ziemlich ratlos gegenüber da ich davon keine Ahnung habe.

6. Macht es für einen Anfänger sinn schon an Kapo's zu denken um die Saiten eine Note höher zu stimmen?

7. Was für Holz könnt ihr Empfehlen? Klar ist keins aus dem Baumarkt aber danach? Ich habe mal gelesen das Instrumenten Holz lange an der Luft getrocknet werden sollte und möglichst enge Jahresringe aufweisen sollte. 
Wo habt ihr euer Holz für eure Drehleier her?

Zu guter letzt noch die Frage nach Plänen. Hat jemand Pläne für eine Drehleier und würde mir diese zur verfügung stellen? Keine Angst ich habe nicht vor eure Drehleier zu kopieren. Ich muss vor allem für einige Dinge Mass nehmen und mir die eine oder andere Idee abkupfern (einstellbarer Druck auf das Rad pro Saite oder die Mass zwischen den Tastern um ein paar Beispiel zu nennen)

Als Dank für eure Hilfe würde ich das ganze dann hier Dokumentiern und jedem Interessierten meine Pläne zur verfügung stellen (3D Modell & Zeichnungen)

Bitte korrigiert mir meine schon "sicheren" Informatione wenn ich da falsch liege.


BTW: Wie man wahrscheinlich an meinen doppel S merkt komme ich aus der Schweiz Smile

Grüsse & jetzt schon ein riesen Dankeschön
Wombat
Antworten
#2
Hallo!


Ich glaube wenn ich in die Welt des aktustischen Drehleierbaus einsteigen wollte, würde ich erstmal eine Nerdy Gurdy bauen:
http://www.nerdygurdy.nl

Jaap Brand hat hier eine (dem Hörensagen nach) ziemlich gut spielbare Leier entworfen, die zum großen Teil mit Rapid-Prototyping Techniken hergestellt wird. Holzteile sind alle lasergeschnitten aus Sperrholz, einige 3D Druck Teile sind dabei. Du kannst dir entweder die Pläne kostenlos runterladen und alles selbst fertigen, oder einen Bausatz für 300 Euro bestellen (inkl. Rad), oder sogar ein fertiges Instrument für 600 Euro.

Die Pläne findest du hier:
https://www.thingiverse.com/thing:2676276

Es gibt sogar Leute, die sich die Holzteile "von Hand" hergestellt haben. Also mit Laubsäge usw. Auf Facebook gibt es eine "Nerdy Gurdy Builders" Gruppe, wo Leute ihre Erfahrungen austauschen.

Mit so einer Nerdy Gurdy könntest du ganz viel herumexperimentieren und Erfahrung für die "richtige" Leier bekommen.


Ein paar Antworten auf einige deiner Fragen (allerdings mit dem Hinweis, dass ich nie noch eine akustische Leier gebaut habe):
1. 2 bis maximal 3 Seiten sind meiner Meinung für einen Anfänger gut (lieber 2). Vier Saiten sind nicht nur schwerer zu bauen, sondern auch schwerer zu spielen, einzurichten und zu spielbar zu halten. Und die Leier auf jeden Fall für eine Fixe Anzahl Saiten bauen. Lieber später eine größere bauen, falls nötig.

2. Keine Erfahrung... nur der Hinweis, dass der Teil der Leier zwischen Rad und Kurbel den größten Einfluss auf Klang und Lautstärke der Leier hat. Der große Schlitz für das Rad ist eine super Barriere für jegliche Schwingungen.



Und wenn du die TK10 von Walter sehr magst, dann versuche doch bei jemandem vorbeizuschauen der diese Leier hat. Dann alle Maße nehmen und nachbauen. Wenn es nur für dich selbst ist und du sie nicht verkaufen möchtest, ist das doch vollkommen legitim.

Viele Grüße,
   Marcus
Antworten
#3
Noch ein Nachtrag: auf Facebook gibt es die Gruppe "HGI - Hurdy Gurdy Info"

Dort gibt es in der "Dateien" Sektion (https://www.facebook.com/groups/812496478838733/files/) sehr viel gute Informationen. Unter anderem ein Excel Spreadsheet zur Berechnung der Tangentenpositionen, Infos über Saiten, Stimmungen etc.

Und eine sehr aktive Gruppe von Leuten mit Erfahrung im Drehleierbau, die gerne Fragen beantworten.
Antworten
#4
Abend

Danke für deine Antwort.

Ja über die Nerdy Gurdy bin ich auch schon gestolpert. Ich habe mit dem Gedanken gespielt ein Kit zu bestellen aber nachdem ich mir die Pläne heruntergeladen hatte wurde mir bewusst das ich jetzt ja alle mir fehlenden Mass da rausklauen kann. Vielleicht wäres es gar keine so schlechte Idee. Aber ich bin mitlerweile mit meiner CAD Zeichnung schon so weit das es mich extrem in den Fingern juckt mit dem bau anzufangen das ich wohl zuerst mein TK10 replika versuche bevor ich ev. noch einmal auf die Nerdy Gurdy zurück komme (wenn mein Eigenbau in die Hose gehen sollte).

Ups  Big Grin Meine CAD Zeichnung ist jetzt mit 3/4/3 gezeichnet (also Burdon / Melodie / Schnarre). Ich kanns nie lassen immer all in zu gehen, entweder gar nicht oder dann richtig  Rolleyes

Die Nerdy Gurdy währe dann vlt. doch nicht so eine schlechte Idee, nur schon das ich die Leier nachher au spielen kann.

Grüss
Wombat


Angehängte Dateien Thumbnail(s)
   
Antworten
#5
Bei allem Enthusiasmus den mitbringst, zumindest bei einigen Teilen würde ich auf Vorgefertigtes zurückgreifen. Rad, Achse, Kurbel etc. 

Unter diesen Adressen bekommst du viele Teile für den Drehleierbauer, u.a. auch Tonhölzer:

https://www.lamaisondelavielle-hgp.com/p...scription/

Hölzer auch da:

https://karl-klier.de

Auf letztgenannter Seite findest du auch eine Auflistung von Tonhölzern und ihren Eigenschaften.

Furniere in Fachgeschäften für Modellbau.

Bei deinen geschilderten Voraussetzungen würde allerdings auch ich zu einem Bausatz raten. Meine erste Leier war auch ein Eigenbau. Ich habe viel gelernt dabei, das meiste hinterher darüber, wie man es nicht machen sollte. Wenn man es mit dem Spielen ernst meint, geht mit der Bauerei viel Zeit verloren, in der man schon hätte üben können.
Antworten
#6
Hallo Wombat,

zu Punkt 4. Deiner Liste habe ich hier etwas:
https://www.google.de/url?sa=i&rct=j&q=&...8712376785

Oben im Text steht die Formel, mit der Du die Werte für beliebige Mensuren berechnen kannst. Mir erschien dieser Potenz-Wert (2, ...) zunächst etwas fragwürdig, da er scheinbar den physikalischen Gesetzen der Akustik widerspricht. Berücksichtigt man aber die Verstimmung der Saiten durch den seitlichen Druck der beweglichen Stege, erscheint es plausibel. Die Drehleier ist das einzige Instrument, bei dem die schwingenden Saiten auf diese Weise verkürzt werden. Also werde ich über meine Überlegung die Mensur meiner Gitarre auf die Drehleier zu übertragen noch einmal nachdenken.

Mein aktueller Entwurf dazu (Mensur 40 cm; Potenz-Wert = 2,0; Tonumfang G .. G'' oder A'') sieht so aus:

   

Wenn ich mit meinem Umbau einer Laute zur Drehleier weiter bin, werde ich meine Auslegungen hier rein stellen.

Zur Nerdy Gurdy: Das Ding klingt besser, als ich es erwartet oder befürchtet habe. So ganz überzeugt es mich aber nicht (vor allem müssten die Tasten "entklappert" werden):
https://youtu.be/1mI1X10VB6U

LG Nicole
Antworten
#7
Hallo Wombat

Ich hatte damals auch die Überlegung mir eine Drehleier selber zu bauen. Habe mir dann aber eine gebrauchte billige  Reichmann Drehleier gekauft und diese dann "Gepimt". Ich hatte also alle Teile die man für eine Drehleier braucht. Diese dann nach meinen Wünschen wieder zusammengebaut und  hatte dann für kleines Geld ca.350€ eine gut spielbare Drehleier mit allerdings nur eine Melodiesaite. Da mir das dann zu wenig wurde habe ich die Leier mit Gewinn wieder verkauft und mir eine bessere Reichmann gekauft.  Diesmal eine Lautenleier Die ich wieder umgebaut habe. Weil einige Teile nicht so waren wie ich sie haben wollte und sie auch sehr schwer spielbar war. Nach einigen vielen Stunden umarbeiten mit Austausch und Erneuern von Teilen, dank viel Hilfe und Tips von erfahrenen Drehleierspielern und Lehrern habe ich ein wunderbahres Instrument.  Was gut spielt und leicht einzurichten ist.

Viele Grüße

Leo
Antworten


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste