Umbau einer Laute zur Drehleier
#1
Hallo allerseits,

ich lebe im Hunsrück und beschäftige mich sonst mit Flugmodellbau. Früher habe ich einmal in einer Rockband Keyboard und Gitarre gespielt. Aktuell interessieren mich alte Musik und der Klang von Naturtönen. In diesem Zusammenhang bin ich auf Mittelalter-Musik und dabei auch auf die Drehleier gestoßen. Da ich erst einmal nur damit herum probieren will, ist es mir viel zu teuer mir eine vernünftig spielbare Drehleier bauen zu lassen. Und gebraucht bei Ebay habe ich den Eindruck, dass ich dort wenig Qualität für viel Geld bekomme.

Durch eine Bekannte, die als Hobby Gitarren und Violinen baut, bin ich auf die Idee eines Eigenbaus gekommen. Und da gibt es eine alte Laute, die meine Mutter früher einmal gespielt hat. Sie ist aus dem Leim gegangen und nicht mehr spielbar. Aus ihr soll jetzt meine neue Drehleier entstehen.

Angedacht sind zwei Bordunsaiten, zwei Melodiesaiten und zwei Schnarrsaiten (dann passt der alte Kopf mit den Wirbeln).

Da gibt es jetzt natürlich ganz viele Fragen. Von der Größe des Resonanzkörpers wurden sich 40 cm als Mensur anbieten. Ist das zweckmäßig? Ist Sperrholz ein geeigneter Werkstoff für den Kasten der Tastenmechanik? Und da wäre noch einiges mehr.

Liebe Grüße
Nicole

Hier noch ein Foto mit dem Stand der Dinge:
   
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#2
Genau so sind wohl auch die ersten Lautendrehleiern entstanden.

Ich gebe aber immer wieder zu bedenken, dass der Bau einer Drehleier erheblich komplizierter ist, als der einer Fidel, einer Sackpfeife, o.Ä., insofern ist es ein denkbar schwieriger Einstieg in den Instrumentenbau und ich bin jedes Mal wieder erstaunt, wenn sich Leute dazu entscheiden, gleich damit anzufangen.
Es gibt jedoch Drehleierbaukurse, vielleicht könntest du dich danach mal umsehen, denn in ein paar Forenbeiträgen kann man nicht viel von dieser doch sehr komplexen Kunst vermitteln.
„Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“
Thomas Morus (1478-1535)
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#3
Dein Instrument scheint eine Gitarrenlaute zu sein, keine Laute (siehe z.B. die Löcher für die Saiten, die Art des Halses etc.). Das sind einfach Gitarren in Lautenform, die waren für eine kurze Zeit mal recht beliebt...

Ich kenne mich nicht wirklich mit Instrumentenbau aus, aber ich könnte mir vorstellen, dass der Korpus nicht für die hohe Saitenspannung, die Drehleiersaiten benötigen, geeignet ist. Gitarrenlauten sind für Nylonsaiten gedacht und die haben eine wesentlich geringere Spannung. Aber das wie gesagt nur als Anmerkung... vielleicht macht das keinen großen Unterschied für dein Projekt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das optimal ist.
(dazu sei noch gesagt das richtige Lauten meines Wissens auch keine allzuhohe Saitenspannung haben - ich weiß aber nicht, was dann damals gemacht wurde, um einen Lautenkorpus zu einer Drehleier umzubauen)
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#4
(22.08.2018, 18:04)David-F schrieb: Genau sind wohl auch die ersten Lautendrehleiern entstanden.

Ich gebe aber immer wieder zu bedenken, dass der Bau einer Drehleier erheblich komplizierter ist, als der einer Fidel, einer Sackpfeife, o.Ä., insofern ist es ein denkbar schwieriger Einstieg in den Instrumentenbau und ich bin jedes Mal wieder erstaunt, wenn sich Leute dazu entscheiden, gleich damit anzufangen.
Es gibt jedoch Drehleierbaukurse, vielleicht könntest du dich danach mal umsehen, denn in ein paar Forenbeiträgen kann man nicht viel von dieser doch sehr komplexen Kunst vermitteln.

Was soll ich machen, wenn ich zwar Zeit aber nur wenig Geld habe und auch noch gar nicht weiß, ob die Drehleier wirklich MEIN Instrument ist? - Einfache Instrumente sind zum Bauen uninteressant. Ich habe mich einmal an einer Flöte versucht. Bis es an das Anpassen der Löcher an die Tonhöhen ging (einschließlich der Halbtöne mit Kreuzgriffen). Das geht richtig an die Nerven. Schließlich habe ich eine Flöte gekauft. Mit der Tastenmechanik einer Drehleier könnte es zwar noch nerviger werden, aber da bekomme ich kein akzeptabel klingendes Instrument für weniger als 100 €. - Jetzt versuche ich erst einmal jede Information aus dem Netz heraus zu holen, die ich bekommen kann.

Zitat:Pan hat geschrieben:

Dein Instrument scheint eine Gitarrenlaute zu sein, keine Laute (siehe z.B. die Löcher für die Saiten, die Art des Halses etc.). Das sind einfach Gitarren in Lautenform, die waren für eine kurze Zeit mal recht beliebt...


Ich kenne mich nicht wirklich mit Instrumentenbau aus, aber ich könnte mir vorstellen, dass der Korpus nicht für die hohe Saitenspannung, die Drehleiersaiten benötigen, geeignet ist. Gitarrenlauten sind für Nylonsaiten gedacht und die haben eine wesentlich geringere Spannung. Aber das wie gesagt nur als Anmerkung... vielleicht macht das keinen großen Unterschied für dein Projekt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das optimal ist.
(dazu sei noch gesagt das richtige Lauten meines Wissens auch keine allzuhohe Saitenspannung haben - ich weiß aber nicht, was dann damals gemacht wurde, um einen Lautenkorpus zu einer Drehleier umzubauen)


Ich mache mir gerade einige Gedanken wie ich vor allem das große Biegemoment aus dem Saitenzug um das Rad herum mit Verstärkungen in den Griff bekomme. Ohne diese würde sich der Korpus bestimmt jämmerlich verziehen. Aber da helfen mir hoffentlich meine Erfahrungen aus den Flugmodellbau - da muss es nicht nur stabil, sondern gleichzeitig auch leicht sein.

LG Nicole
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#5
Vielleicht hilft die Baudokumentation einer lautenförmigen Drehleier von Helmut Gotschy etwas weiter, zu finden unter:

https://www.gotschy.com/deutsch/index.html
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#6
Um herauszufinden, ob die Drehleier DEIN Instrument ist, kannst Du zu einem der Spielkurse fahren. Dort gibt es meist auch Anfängerkurse mit Leih-Instrumenten. Demnächst findet zum Beispiel wieder der Leierkurs in Lißberg statt und im November dann der Herbstkurs in Bad Homburg. Vielleicht wäre das ja was für Dich. Danach kannst Du Dich auch immer noch für ein selbst gebautes Instrument entscheiden Smile
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#7
Hallo allerseits.

@Ursa: Mich hat das Baufieber jetzt erwischt. Also werde ich bauen. Und wenn das mit dem Spielen nichts für mich sein sollte, kannst Du meine Kreation vielleicht irgendwann bei Ebay ersteigern  Big Grin.

Und das ist im Moment der Stand der Dinge:

Nun zum Stand meiner Planung:

3 Bordunsaiten: g c g'

3 Melodiesaiten: g' d'' g''

2 Schnarrsaiten: g' c'

und so etwa soll das dann aussehen:

[Bild: file.php?id=64&t=1]

Der Tangentenkasten soll Tasten für 2 1/2 Oktaven (g .. c'') erhalten. Hier sind die Mensur für die Tangenten und die Anordnung der Tasten dargestellt; unten die Ganztöne g, a, h, c, .... h'', oben die Halbtöne gis, ais, cis, ... ais'' und c'':

[Bild: file.php?id=65&t=1]

Liebe Grüße
Nicole
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#8
Hallo,

ich melde mich mal wieder mit dem neuesten Stand der Dinge. Das mit dem Umbau der Laute zur Drehleier hat sich erledigt. Es wird eine Schablone für den Lautenkörper angefertigt und danach komplett neu gebaut. Die Form dafür habe ich jetzt mit dem Computer berechnet:

   

   

Mit der Schablone kann dann auch, falls der Klang akzeptabel ist, eine Kleinserie gebaut werden. Die Laute ist inzwischen repariert. Ihr Klang ist durchaus in Ordnung, sodass ich hoffe beim Nachbau des Lautenkörpers ebenfalls einen recht guten Klang zu erzielen.

Zum Thema Naturtöne und Drehleier bin ich hier auf eine interessante Information gestoßen:

http://simonwascher.info/FAQdrehleier.htm#3

Im Kapitel zur Intonation wird hier beschrieben, dass mit den Bordun-Saiten eine reine (Naturton-)Stimmung für einen sauberen Klang wichtig ist. Die Schwierigkeiten, die sich dabei mit verschiedenen Tonarten ergeben, werden auch angesprochen. Ich habe meine Betrachtungen zu den Naturtönen aufgegriffen und aus den Tonleitern in Dur und Moll und der alten Tonleiter (G), A, B, C, ... für die Bordun-Grundtöne G, A, C und D die erforderlichen Bruchzahlen für alle 12 Halbtonschritte berechnet. Hier ist das Ergebnis:

   

In der Waagerechten ist die Tonhöhe in Cent angegeben. Man sieht, dass die Töne von einer gleichmäßig temperierten Stimmung (100 Cent Schritte) sehr stark abweichen. Nun stellt sich die Frage, ob die Drehleier solo oder zusammen mit Streichern wie Violine oder Cello in der reinen Stimmung oder zusammen mit Klavier, Keyboard oder Gitarre in der temperierten Stimmung gespielt werden soll. Ich habe daher für die Position meiner verstellbaren Tangenten den Mittelwert zwischen reiner und temperierter Stimmung gewählt. So ist mit dem Instrument beides möglich. Zu dieser Position kommt nun noch eine Verschiebung hinzu, die sich aus der größeren Spannung der Saiten durch den Druck der Tangenten ergibt. Diese habe ich auf der Grundlage der Tonänderung beim Saiten Ziehen auf meiner Gitarre berechnet. Insgesamt ergibt sich so folgende Auslegung für die Schieber der Tangenten und die Tasten:

   

Wenn jemand daran interessiert ist, kann ich ihm die zur Berechnung verwendeten Tabellen (Open Office Tabellenkalkulation) zukommen lassen. Das sollte (hoffentlich) genauer sein als die Tabelle, die ich mal irgendwo entdeckt und hier rein gestellt habe. Darin wurde für die Formel L=1/2^(S/12) ein anderer, experimentell ermittelter, Wert als 2 für die Basis der Potenz verwendet (mit: L=Wellenlänge, S=Halbton-Stufe 0..12).

Liebe Grüße
Nicole
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#9
Hallo Forum,

eigentlich wollte ich jetzt mit dem Bau meiner Drehleier so gut wie fertig sein, damit ich das Instrument bei den Lißberger Leiertagen präsentieren und Vorspielen kann. Aber bekanntlich kommt es ja oft anders, als man es sich denkt oder vorstellt.

Die Gitarrenlaute ist inzwischen wieder zusammen gebaut und es kann darauf gespielt werden. Das hat zunächst in einem anderen Forum zu einer heftigen Ponal-oder-Fischleim-Diskussion geführt. Ponal ist angeblich zu elastisch und sorgt für einen eher dumpfen Klang. Ich habe jedoch den Eindruck, dass die mit Ponal neu verleimte Gitarrenlaute einen recht guten Klang hat. Dann erzählte mir Kurt Reichmann bei einem Telefonat, dass er zum Bau seiner Drehleiern auch Ponal verwendet. Gerade bei dem Problem mit den Spannungen durch Austrocknen der Holzes bei runden Lauten-Resonanzkörpern scheint Ponal wegen seiner Elastizität gegenüber Fischleim durchaus vorteilhaft zu sein.

Mir geht es jetzt aber um etwas ganz anderes. Als ehemaliger E-Gitarrist einer Rockband schwebt mir vor Solostücke wie 'The Loner' von Gary Moore auf meiner Drehleier spielen zu können. Dazu sind extremes Bending (bis zu einem Ganzton) und Vibrato notwendig (Gary Moore rissen dabei schon mal auf der Bühne die Saiten seiner Gitarre). Wenn ich also die Tangenten meiner Drehleier so auslege, dass ich für den abzustimmenden Ton immer bis zum Anschlag drücken muss, ist der Weg sehr lang, und das extreme Beding wäre bei jedem Betätigen einer Taste zu hören.

Also dachte ich von Anfang daran, die Tangenten für ein leichtes Antippen beim Spielen abzustimmen und das Bending dann - wie von der Gitarre gewohnt - zum höheren Ton hin vorzunehmen. So fehlt aber eine eindeutige Position der Tangenten zum Stimmen der Drehleier. Das hat mich zunächst den ganzen Winter davon abgehalten endlich mit dem Bau endlich zu beginnen. Dazu kamen dann noch andere Probleme, die nicht in dieses Forum gehören. Statt zu bauen habe ich, wie bereits erwähnt, einige Berechnungen zum Bending und der dazu passenden Position der Tangenten durchgeführt.

Vor kurzem hatte ich dann eine hoffentlich entscheidende Idee. Ich verwende für die Tangenten eine herausnehmbare Anschlagleiste, mit der ich die Drehleier sauber stimmen und auch einfacher spielen kann. Gemäß der Berechnung ist dabei im mittleren Bereich der Saiten ein Bending um ca. 1,3 mm angedacht. Zum Sattel hin soll es dann jeweils kontinuierlich zu null direkt am Sattel kleiner werden (Details kann ich ggf. in diesem Beitrag oder per PN noch beisteuern). Ohne die Anschlagleiste soll dann mit nur leichtem Antippen gespielt werden. Und mit Durchdrücken der Tasten zum Anschlag hin möchte ich dann meine Drehleier im Gary-Moore- oder Calos-Santana-Stil ordentlich "jammern" lassen.

Also nun meine Frage. Wer hat Erfahrung mit dieser Thematik und kann mir weiter helfen? Wie spielt es sich mit einem leichten Anschlag? Ist das von der spielerischen Praxis her praktikabel oder eher problematisch?

Nun warte ich erst einmal auf Rückmeldung.

Liebe Grüße
Nicole
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#10
Ich kann wenig zu deinen Ideen zum Bau beitragen (da ich absolut keine Ahnung vom Instrumentenbau habe) und kann auch deine Gedanken nicht ganz nachvollziehen (was bringt die Anschlagleiste genau? Huh  ), aber wollte zum Thema Bending eins anmerken: 
Solltest du einplanen, mehr als eine Melodiesaite zu haben, musst du schon sehr viel Platz zwischen den Tangenten auf einer Taste lassen. Bei meiner Leier (Phoenix Ultra von Gotschy/Alexandra Betz) schlägt die durchs Bending ausgelenkte erste Melodiesaite spätestens kurz vorm Halbton an die Tangenten der umliegenden Tasten (höher und tiefer) der zweiten Melodiesaite an. D.h. da ist rein physikalisch Schluss mit Benden, weil dann halt einfach die ganze Saite gedämpft wird und hässliche Stör- & Kratzgeräusche entstehen. Abgesehen davon berühren die Tangenten der zweiten Melodiesaite auch so langsam die hintere "Wand" des Tangentenkastens bei einem so großen Bending, d.h. auch der müsste wesentlich größer ausfallen, als üblich.

Abgesehen davon solltest du auch Bedenken, dass du immer mehrere Saiten gleichzeitig benden musst (da die Tangenten auch bei ausgehängter Saite diese bei Tastendruck berühren), was bei höherer Saitenanzahl auch entsprechend anstrengender wird.
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