Codex Verus: Transponieren von Tune für Drehleier
#11
(23.05.2010, 14:01)Marc schrieb: Also mir ist schleierhaft wie dieses Rad funktionieren soll.
Ich lasse das immer von dem Programm Capella für mich machen Big Grin
du baust das ding zusammen und suchst dir im äusseren kreis die tonart aus, in der das stück geschrieben steht, dann drehtst du den inneren kreis so, dass die gewünschte tonart unter der notierten steht und dann liest du im kleinen kreis nur noch die entsprechenden noten ab.
ein app für die hosentasche sozusagen.

capella geht natürlich auch, nur das hab ich nicht immer dabei.

achso, und war es nicht so, dass der letzte ton eines stückes die tonart definiert?

grüsse
ron
Drehleierspielen muss nicht sch...e klingen....
Antworten
#12
(23.05.2010, 14:56)Marc schrieb: Marco meinte zu mir kürzlich etwa folgendes:

Wenn ein Lied in C notiert ist und keine Vorzeichen hat kann man die Noten "beliebig" nach oben und unten verschrieben ohne etwas beachten zu müssen.

Ich hoffe ich gebe ihn richtig wieder.

Achtung!! man sollte nicht vergessen die natürlichen Halbtonschritte zu beachten. je nachdem ändert sich dann unter umständen davor dann die vorzeichen.

Transponieren ist eine Knifflige angelegenheit. Es gibt soviel ich weiss gute Literratur zum richtigen Transponieren, das hier soll ganz gut sein http://www.amazon.de/Guitar-TV-Transpose...012&sr=8-1
Ich wohne lieber am Busen der Natur als am Arsch der Welt.

Eine Frage die viele Leute beschäfftigt:
Wenn man einen Schlumpf würgt welche Farbe bekommt er dann?!?
Antworten
#13
Die meisten mittelalterlichen Stücke sind in Kirchentonarten (Modi) komponiert. Das Dur/Moll-System gab es damals noch nicht.
D ohne Vorzeichen ist in dem Fall dorisch. Der für die heutige "Marktmusik" am häufigsten verwendete Modus.

Darüber hinaus gibt es noch
phrygisch (e ohne Vorzeichen)
lydisch (f ohne Vorzeichen)
mixolydisch (g ohne vorzeichen)

Erst später (Ich glaube so 16. oder 17. Jahrhundert) kamen dann noch
ionisch (c ohne Vorzeichen, entspricht dem heutigen Dur) und
äolisch (a ohne Vorzeichen, entspricht dem heutigen natürlichen Moll)
dazu.

Auch heute finden diese Modi noch verwendung und das nicht nur in der mittelalterlichen Musik.

Ein Beispiel: Hat man ein Stück ohne Vorzeichen, das auf g endet handelt es sich dabei nicht um C-Dur, sondern um g mixolydisch. (Zumindest meistens)
Diese Modi können natürlich auch beliebig transponiert werden.
Weiteres Beispiel: Die heute üblichen Marktsäcke sind häufig dorisch auf a. Sprich: In der Skala kommt ein fis vor im Gegensatz zum a-moll (natural), welches ganz ohne Vorzeichen daherkommt.

Ein paar Worte noch zum Codex Verus. Die Herkunft der Stücke ist teilweise mit Skepsis zu betrachten. Nicht alle hier abgedruckten Stücke sind wirklich mittelalterlich. Der Traubentritt ist das beste Beispiel. Auch wenn er heute meist als Trad. gilt, wurde er irgendwann in den 80ern von Roman Streisand komponiert.
Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden!
Antworten
#14
(24.05.2010, 02:15)Marco schrieb: Achtung!! man sollte nicht vergessen die natürlichen Halbtonschritte zu beachten. je nachdem ändert sich dann unter umständen davor dann die vorzeichen.

Ah, also doch! Das hatte mich ziemlich verwirrt, denn ich hatte dich so verstanden das man die bei C nichts weiter beachten muss, was mein ganzes musikalisches Verständniss auf den Kopf stelle.
Antworten
#15
Irgendwie vergesse ich bei sämtlichen Analysen immer das es auch noch "Kirchentonarten" gibt. Echt schlimm. Scheint irgendwie so ein toter Winkel zu sein.

Ich finde aber, dass die Notation echt mal ordentlich gemacht gehört, wenn man so ein "Heftchen" herausgibt. Bei meinem Notationsprogramm kann man solche krummen Takte gar nicht produzieren.

Noch zur Ergänzung:

Transponieren von Kirchentonarten einfach gemacht

Kirchentonarten sind relative Tonarten, die feste Fixierungen auf einen Anfangs- und Endton
(d-moll, Es-Dur usw.) gibt es nicht. In der Praxis heißt das: Kirchentonarten werden (fast
immer) transponiert! Dieses Transponieren bereitet vielen Schwierigkeiten, ist aber im
Grunde ganz einfach, wenn man folgendes Schema einmal verstanden hat:
Dorisch auf D hat die Vorzeichen von C-Dur, oder allgemein gesagt die Vorzeichen der
Tonart, die eine große Sekunde tiefer liegt. Demnach hat Dorisch auf F die Vorzeichen von
Es-Dur (Achtung: nicht von Dis-Dur, das wäre eine enharmonische Verwechslung).
Phrygisch auf E hat die Vorzeichen von C-Dur, oder allgemein gesagt die Vorzeichen der
Tonart, die eine große Terz tiefer liegt. Demnach hat Phrygisch auf A die Vorzeichen von
F-Dur.
Lydisch ... , die eine Quart tiefer liegt
Mixolydisch ..., die eine Quint tiefer liegt.
I have three answers to the questions that I know are in the audience.
Answer number one: It's called a hurdy gurdy.
Answer number two: you turn the crank and run your fingers up and down the outside.
Answer number three: No, I do not have a monkey!
Antworten
#16
siehe auch:

Marco Ambrosini
Einführung in die mittelalterliche Musik
Verlag Der Spielleute
ISBN-13: 9783927240131


(24.05.2010, 10:50)Elisa schrieb: Bei meinem Notationsprogramm kann man solche krummen Takte gar nicht produzieren.

aber die ungeraden takte sind doch die schönsten...

Ron
Drehleierspielen muss nicht sch...e klingen....
Antworten
#17
Zum CV und der Notation in D nochmal was...
Die Stücke sind in D-dorisch notiert, damit lassen sich die Stücke genau so mit einer C-Blockflöte spielen wie man sie schlussendlich dann auf dem gemeinen Marktsack auch greift... Ist schlicht ne einfachere Darstellung wie wenns oben oder unten mit Hilflinien raus geht und es kann trotzdem direkt mit dem Marktsack adaptiert werden...
Oder man spielts eben in D, was natürlich auf ner Drehleier in C durchaus einfacher zu adaptieren ist... einen Ganzton bekommt man die Bordune ja im Regelfall schon hochgestimmt und die so sehr beissts sich dann auch nicht von der dann eben nicht mehr ganz reinen Stimmung her...
Wenn man das dann aber eh dauerhaft vor hat kann man ja auch die Fähnchen nachjustieren... ist ja auch nicht so der Akt...

MfG Björn
Antworten


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste