Einsteiger-Instrument
#1
Hallo,

Nach meinen Beiträgen zum Thema Eigenbau habe ich mich hier erst einmal zurück gezogen. Meine Zweifel wurden immer größer, dass ich da irgend etwas bauen könnte, was am Ende so gar nicht meinen Erwartungen entspricht. Eine Möglichkeit einen Kurs in meiner Nähe zu besuchen gibt es nicht. Und ohne Auto komme ich schlecht irgendwo hin. Trotzdem würde ich doch lieber erst einmal Erfahrungen mit einer einfachen Drehleier sammeln.

Nun bin ich in einem Video von Patty Gurdy auf Benjamin Pouzadoux gestoßen:
http://bpouzadoux.com/language/en/galipette-3/?lang=en

Das Modell "Galipette" ist in der Grundausstattung für 1100€ zu haben. Meine Frage also: Wäre das etwas um - vor dem angedachten Eigenbau - die ersten Erfahrungen mit einem solchen Instrument zu sammeln? Hat jemand vielleicht Erfahrung mit diesem Drehleier-Bauer?

Liebe Grüße
Nicole
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#2
(01.08.2019, 15:41)Nicole Doll schrieb: Hallo,

Nach meinen Beiträgen zum Thema Eigenbau habe ich mich hier erst einmal zurück gezogen. Meine Zweifel wurden immer größer, dass ich da irgend etwas bauen könnte, was am Ende so gar nicht meinen Erwartungen entspricht. Eine Möglichkeit einen Kurs in meiner Nähe zu besuchen gibt es nicht. Und ohne Auto komme ich schlecht irgendwo hin. Trotzdem würde ich doch lieber erst einmal Erfahrungen mit einer einfachen Drehleier sammeln.

Nun bin ich in einem Video von Patty Gurdy auf Benjamin Pouzadoux gestoßen:
http://bpouzadoux.com/language/en/galipette-3/?lang=en

Das Modell "Galipette" ist in der Grundausstattung für 1100€ zu haben. Meine Frage also: Wäre das etwas um - vor dem angedachten Eigenbau - die ersten Erfahrungen mit einem solchen Instrument zu sammeln? Hat jemand vielleicht Erfahrung mit diesem Drehleier-Bauer?

Liebe Grüße
Nicole

Hallo Nicole,

Banjamin ist ein ehemaliger Lehrling von Sebastian Hilsmann. Ich habe seine kleine Leier letztes Jahr in LSC auch probegespielt und sie ist wirklich gut. Ich denke, dass Du damit nichts falsch machen kannst.

Liebe Grüße,

Ursa
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#3
Es tut mir leid, aber ich muss es an dieser Stelle einfach mal loswerden: Was mir - und zwar herstellerunabhängig - zunehmend auf den Geist geht, ist dieses "optional". Optional lackiert, optional mit Radschutz und und... Altmodisch wie ich bin, ist für mich ein Streichinstrument wie die Drehleier unter anderem lackiert und hat von Haus aus auch einen Radschutz. Ausnahme: Koffer oder Hülle. Ich finde das irreführend bei der Preisgestaltung, und von mir aus kann man aus Kostengründen in Absprache mit dem Hersteller auch was weglassen. So jedenfalls verschleiert das einfach nur den Preis, den man für ein ganz normal ausgestattetes Instrument zahlt. Irgendwann gibt es vermutlich optional eine Kurbel dazu.

PS: Nicht gemeint sind zusätzliche Ausstattungen wie mehr Saiten, Kapos, Elektrifizierung etc. Klar, dass solche Features optional sind und finanziell zu Buche schlagen müssen.
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#4
Puh, also ich seh das längst nicht so streng wie du. Irgendwo muss man ja sparen, wenn die Instrumente billiger sein sollen.

Ob lackiert oder nicht ist doch Geschmackssache. Ich mag tatsächlich geölte Instrumente meist optisch lieber. Und es gibt auch genug unlackierte Streichinstrumente, gerade im Folk-Bereich. Das ist jetzt keine wirkliche Besonderheit.

Über die Notwendigkeit des Radschutzes kann man sich auch streiten. Der Großteil nimmt den beim Spielen doch eh ab. Klar, wenn man Auftritte spielt oder irgendwie die Gefahr besteht, dass fremde Leute aufs Rad langen, ist ein Radschutz schon nett. Aber wer ein Einsteigerinstrument kauft, wird wohl kaum direkt in diese Auftrittssituationen kommen... und man kann ihn dann ja später immer noch megaleicht "nachrüsten".

Beim verlinkten Instrument ist dagegen schon eine Tasche und sogar ein Gurt mit Security Locks dabei. Was ich persönlich wesentlich sinnvoller finde, als einen Radschutz.

Zu dem verlinkten Instrument selbst kann ich leider nichts sagen kann - zumindest nach Video kriegt man aber scheinbar ziemlich viel Instrument für wenig Geld.
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#5
Es geht bei einem Radschutz nicht nur um einen Schutz gegen mechanische Einwirkungen, wobei diese nicht zu unterschätzen sind, wenn man nur mit einem Softcase unterwegs ist. Da wirken Kräfte direkt auf Rad, Achse und Lager. Vielmehr geht es um Akustik, um die Erstreflexionen. Kann man im Selbstversuch nachvollziehen: Man stellt sich unter eine alte Kirche mit Glockenturm und vernimmt Wohlklang. Danach stellt man sich unter die Stahlträger freischwingender Glocken aus der Zeit des Beton-Brutalismus ignoranter Architekten und man ist unchristlichem Lärm ausgesetzt, jenseits gesetzlicher Grenzwerte. Im kleinen Maßstab findet dieses Klanggeschehen auch bei der Drehleier statt. Hat sich mir erst spät erschlossen, aber es hat schon seinen guten Grund, warum manche profilierte Spieler vor dem Einsatz den Radschutz wieder auflegen. 

Wenn ich jetzt mal von einem Quasi-Standard ausgehe mit 2 Melodiesaiten, einer Schnarre, Mouche und zwei Bordunen (2. Schnarre statt Mouche ist nochmal teurer), dann sind wir mit Radschutz schon bei 1.450€. Wenn ich gedanklich noch eine Lackierung, sagen wir 300€) hinzu rechne, dann nähern wir uns schon der Grenze von 2.000€. In dieser Größenordnung bekommt man schon ein gutes gebrauchtes Instrument. Und dass man, wenn ich das richtig übersetzt habe, auch noch für ein Schalloch extra zahlen muss, ist mir noch nie untergekommen.  

Wenn man in der Mobilität mangels Kfz ohnehin eingeschränkt ist, dann wird es schwierig aus einer entlegenen Gegend in Deutschland in eine ebenso entlegene Gegend in Frankreich zu fahren, wenn es Probleme mit dem Instrument gibt. Ich habe da im Lauf der Zeit schon einige tausend Kilometer zurückgelegt. Auch das sollte in die Kalkulation mit einfließen. 

Und nicht zuletzt ist da noch die Formensprache, die ist aber Geschmackssache, daher kein Kommentar dazu.

Bei knappem Budget muss man da aus meiner Sicht schon lange darüber nachdenken, unabhängig vom Klang des Instruments.
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#6
Wenn ich dich richtig verstehe, bist du der Meinung, dass Leiern mit Radschutz drauf besser projezieren, als ohne? Das habe ich bisher genau andersrum erlebt, sowohl auf meiner Leier, als auch auf allen anderen, die ich bisher angespielt habe... und irgendeinen Grund wird's schon haben, warum die ganzen Profis meist ohne Radschutz spielen. Ich will jetzt eigentlich nicht gegen einen Radschutz argumentieren (sinnvoll find ich ihn schon auch), aber wenn man dadurch etwas einsparen kann und das Instrument für einen erschwinglich wird, find ich das schon legitim.
Das man für Schalllöcher aber extra zahlen muss (ist mir beim ersten Lesen nicht aufgefallen), finde ich auch etwas absurd.
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#7
Ja genau, davon bin ich überzeugt und es entspricht auch meinem Hörempfinden. Es ist für mich schwer zu beurteilen, wie sich das bei den Profis prozentual aufteilt, also die Gruppe mit und ohne Radschutz beim Spiel. Vor Jahren wurde ich in einem Kurs von Patrick Bouffard explizit auf die Anbringung des Radschutzes vor dem Spiel hingewiesen. So kam ich ins Nachdenken darüber.

Bei meiner elektroakustischen Drehleier ist der Radschutz so schmal gehalten, dass man trotzdem noch die Melodiesaiten aushängen und anlegen kann. Sieht nicht so klasse aus, ist aber praktisch. Die Alternative ist eine Aussparung am Deckel des Tangentenkastens (für den prinzipiell das Gleiche gilt), dann kann der Radschutz seine akustische Wirkung, die Reflexion des Tons unmittelbar über dem Rad, voll entfalten. Sieht man öfters. Bei manchen Drehleierbauern habe ich allerdings den Eindruck, sie betrachten das als dekoratives Element. Beim Üben lasse ich den Radschutz natürlich weg, da stehen andere Sachen im Vordergrund.

Nachträglich als Laie einen Radschutz anzubringen, ist nicht allzu schwierig, sofern man dafür ausgerüstet ist. Man braucht aber u. a. zumindest ein provisorisches Biegeeisen, ein professionelles geht richtig ins Geld und kostet mehr als ein Radschutz vom Instrumentenbauer.

Und um noch einmal auf die unsägliche Option "mit Schalloch" zurück zu kommen, man stelle sich vor bei der Bestellung einer Meistergeige: Optional mit F-Löchern und optional mit Randeinlagen (Adern). Da würde sich jeder an den Kopf fassen, weil elementare Bestandteile. Dann ist man bei einem solchen Geschäftsmodell tatsächlich nicht mehr weit von einer optionalen Kurbel entfernt, ist dann nochmal billiger. Und ich bin der Auffassung, dass man solchen Tendenzen entgegen treten muss.
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#8
Hallo,

ich antworte erst jetzt, da ich einige Zeit keinen ordentlichen Zugang zum Internet hatte.

Also erst einmal vielen Dank für die Antworten. Insgesamt bestätigt sich mein Eindruck, dass dieses Instrument recht gut ist. Die Aufpreis-Masche stört mich allerdings auch. Da denke ich an Autohändler: ".. und ohne Aufpreis gibt es: - vier Räder, so angebracht, dass sie immer bis zum Boden reichen - Lenkrad in Reichweite des Fahrers - Sitz und Rückbank auch für Beifahrer ..". Also Schalllöcher gehören irgendwie schon zur akustischen Gestaltung eines Instruments. Über die Wichtigkeit einer Radabdeckung könnte man jedoch schon eher reden. Wobei auch diese sicherlich einen Einfluss auf den Klang haben dürfte. Dass West-Frankreich weit weg ist, sollte ich sicherlich auch bedenken.

Inzwischen habe ich zu meinem geplanten Eigenbau neue Impulse erhalten. Zur hier bereits angesprochen Frage zum Saitenziehen habe ich neue Berechnungen durchgeführt. Dann geht mir der Karbon-Korpus durch den Kopf, von dem Patty Gurdy offensichtlich begeistert ist. Mit Karbon und Glasfaser (GFK) scheint es hier ähnlich zu sein, wie mit Mahagoni oder Fichte für die Decke einer Gitarre. Mahagoni ist edel und teuer, aber mit Fichte klingt es besser. Ein Korpus in Lautenform aus GFK wäre jedenfalls sehr einfach herzustellen, da keine Brettchen räumlich eingepasst werden müssen. Hier habe ich Erfahrung vom Flugmodellbau. Und wenn Karbon gut klingt, dürfte GFK besser klingen, da es weicher ist und weniger intensive Obertöne erzeugt.

Ich werde also zunächst mit dem Eigenbau beginnen und mich weiter nach einem gebrauchten Instrument umsehen. Wahrscheinlich ist dann der Eigenbau fertig, bevor ich ein passendes Angebot finde. Den Ebay-Irrsinn beim Bieten überlasse ich jedenfalls anderen.

Liebe Grüße
Nicole
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#9
Zum Selbstbau-Radschutz möchte ich noch etwas anmerken.

Beim Restaurieren meiner Gitarrenlaute habe ich das in den Korpus einzusetzende Distanzstück ohne Biegeeisen einfach über der Platte meines Elektroherdes gebogen. Bei Versuchen mit breiteren Brettchen hat es so ebenfalls funktioniert. Man muss nur aufpassen, dass die Platte nicht zu heiß wird.

LG Nicole
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