Drehleier - Welcher Instrumentenbauer entspricht meinen Anforderungen?
#1
Hallo liebe Mitleser!

Seit längerem interessiere ich mich für's Drehleier-Spiel, so richtig weit bin ich aber noch nie gekommen. Ich hatte vor einigen Jahren mal eine Leier hier, auf der ich autodidaktisch die ersten Melodien gelernt habe, Schnarren hab ich aber noch nie ernsthaft versucht.

Eigentlich spiele ich Schäferpfeife und Kontrabass, nebenbei noch ein wenig Gitarre, Whistles... aber die Drehleier lässt mich einfach seit Jahren nicht so richtig los. Ich würde natürlich auch zu Anfang gern einen Kurs nehmen, möchte mich aber auch vorab schon möglichst gut informieren.

Das Instrument sollte vor allem zuverlässig sein und schon Tonabnehmer eingebaut haben. Wir spielen nicht sehr viele Auftritte, aber 10-12 pro Jahr sollten es schon längerfristig werden. Da wir nicht nur akustisch spielen, ist das auf jeden Fall von Vorteil.
Ich brauche auch absolut keine historische Leier, auch eine Lautenleier möchte ich eigtl. nicht, weil mir die optisch einfach nicht so gut gefallen... und außerdem sind sie ja auch noch deutlich teurer.

Zuverlässig ist wichtig, da meine Freundin schon ein gebranntes Kind ist, was Drehleiern angeht... Wenn's halt scheisse eingestellt ist, klingt's auch so. Grade als Anfänger wäre wichtig, dass das alles passt.
Bin bei meinen anderen Instrumenten auch mittlerweile weg von zu viel "Naturmaterialien" am Instrument. Meine Dudelsäcke nur noch mit Kunststoff-Rohrblättern, Kontrabass mit Kunstdarm-Saiten. Einfach, weil es schneller geht, zuverlässiger ist und auch nicht "beleidigt", wenn man das Instrument doch mal zwei Wochen in der Ecke stehen lässt.

Von der Optik gefallen mir Sebastian Hilsmann und Weichselbaumer (Alto) sehr, sehr gut. Vom Klang her, habe ich noch nie einen direkten Vergleich zwischen mehreren Instrumenten verschiedener Instrumentenbauer gehabt. Kann hier also noch keine Vorlieben äußern.
Ich habe allerdings oft sehr zwiespältige Meinungen über Reichmann gehört, hier bin ich etwas vorsichtig.

Von den Kosten ist preisgünstig natürlich immer besser. Möchte hier aber auch nicht zu sehr einschränken, gerade da ich auch Weichselbaumer in's Auge gefasst hab. Hab aber auch keine Ahnung, was die Instrumente so kosten, da bei beiden Bauern keine Preise zu finden sind.

Vielleicht hat ja aber sonst noch jemand einen ganz anderen Tipp für mich..

Beste Grüße, Marcel


Edit: Die Drehleiern von Seibert (zB. Modell Erlkönig) gefallen mir optisch auch ganz gut und die sind preislich natürlich eine andere Liga. Aber tut man sich als Anfänger einen Gefallen, wenn man so genau auf den Preis achtet?
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#2
Hallo Marcel,

ein direkter vergleich verschiedener Instrumente gibt es eigentlich nur auf Kursen oder Festivals, aber das mit Vorsicht zu genießen - man weiß ja nicht was die Spieler mit dem Instrument so alles schon angestellt haben.
Selbst die tollste Weichselbaumer klingt nach naßer Katze im Sack wenn die falschen Hände daran rum basteln Wink

Wie dem auch sei, mit Hilsmann und Weichselbaumer machst du aber definitiv nix falsch.
Hilsmann und Weichselbaumer sehen optisch ähnlich aus und haben auch einen verwandten Klang wie ich finde.

Hilsmann ist recht teuer, aber Weichselbaumer ist noch teurer.
Bei Hilsman beginnt die kleine Leier bei 3000€+ ohne Tonabnehmer.

Für eine Alto mit vier Melodiesaiten würde ich mal zwischen 6000 und 10.000 € rechnen, je nach Bauer und Ausstattung.

Auch zu Erwähnen ist Walter Simon, der auch sehr gute Leiern Baut (und etwas Preiswerter als Hilsmann und Weichselbaumer ist), aber er hat ein ganz anderes Klangkonzept:
http://soundcloud.com/simons-drehleiern/sets

Solche Sound Demos sind aber immer mit Vorsicht zu genießen, mal sollte sich immer "analog" überzeugen.

Auch viel gutes hört man über Denis Siorat aus Frankreich. Einer hier im Forum hat sogar eine Leier von ihm: http://drehleierforum.truar.com/showthread.php?tid=326
Da ich auch total auf Hilsmann und Weichselbaumer stehe und mir die Leier optisch gut gefällt wäre die evt. auch eine Überlegung für dich wert.

Rumzicken wird übrigends jede Drehleier - das liegt in deren Natur.
Die eine vielleicht mehr und die andere vielleicht weniger Tongue
Drehleiern kennen sehr wohl die Gesetze die Physik,
aber sie interessieren sich für diese nicht besonders.
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#3
Hallo Marc,

danke schonmal für die Antwort!

Ich habe Kontakt per Mail mit Herrn Weichselbaumer gehabt, sehr freundlich.

Was bei mir ein Problem ist:
Ich möchte gern immer alles haben und alles können und merke hinterher, dass das gar nicht notwendig ist. So hab ich den aufwendigsten Dudelsack, den Alban Faust bisher gebaut hat (lt. seinen Aussagen) und nutze sein Potential einfach gar nicht aus.

Die Drehleier muss also NICHT alles können, ich denke, ich sollte mit einem günstigen Einsteigerinstrument anfangen.

Ich bin ein sehr großer Fan von Resonanzsaiten, denke aber auch, dass ich mich hier als Anfänger vielleicht schnell überfordere. Evlt. wäre ein Grundmodell Allegro von Weichselbaumer mit Basic-Verstärker genau das richtige..

Ich informiere mich aber noch weiter und bin froh über jeden Tipp. Aber bis (bzw. falls) ich die Drehleier dann tatsächlich bestelle, können noch Monate oder Jahre vergehen. Beim Dudelsack war von der ersten Idee bis zum Abholen des Instruments knapp 4 Jahre vergangen... und das lang nicht an Alban, der hat das Instrument in nur 9 Monaten fertig gehabt ;-)

Das mit dem Rumzicken dachte ich mir. Ich weiß auch nicht, warum ich mir sowas immer antun muss.... ;-)
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#4
Hey Marcel,

Dudelsack und Drehleier sind Instrumente für Masochisten, ganz besonders Drehleier (ich spiele auch beides *g*). Big Grin

Wenn du dich für die Allegro vom Weichselbaumer entschieden hast, empfehle ich dir auf jedenfall Mechaniken zum stimmen. Ich weiß von zwei oder drei Leuten das Weichselbaumer einem bei dem Modell gerne Holzwirbel aufschwätzt, sollte das immernoch so sein bestehe auf jedenfall auf die Mechaniken.

Ich habe lange Zeit auch nur Holzwirbel drinnen gehabt und verstehe jetzt im Nachhin gar nicht wie ich so lange ohne die Mechaniken leben konnte.

Ressonanzsaiten werden dich auf jedenfall nicht überfordern, wenn die nicht gestimmt sind machen die nämlich einfach gar nix Wink
Drehleiern kennen sehr wohl die Gesetze die Physik,
aber sie interessieren sich für diese nicht besonders.
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#5
Bei Weichselbaumerleieren sind die Löcher für die Holzwirbel sehr sauber und exakt gearbeitet, bei dem Allegro-Modellen ists eine recht dicke Elsbeerenplatte (http://de.wikipedia.org/wiki/Elsbeere extrem hartes Holz), da gibts eigentlich keine Probleme.
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#6
Ich habe mal auf nem Kurs eine mit ner Allegro kennen gelernt, auch mit Holzwirbel. Die meinte sie hätte auch im Nachhinein lieber Mechaniken gehabt.
Selbst wenn die Holzwirbel bei der Allegro tadellos funktionieren sollten, ich behaupte mal gute Mechaniken sind pflegeleichter und komfortabler.
Drehleiern kennen sehr wohl die Gesetze die Physik,
aber sie interessieren sich für diese nicht besonders.
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#7
Auch einige der erfahreneren Allegrospieler in Deutschland (Stephan Groth, Marcus Weseloh) sind nach Selbstumbau auf Mechaniken, das hat schon Gründe Wink Ich hätte mir für meine Allegro, wenn ich das aktive Drehleierspielen nicht aufgegeben hätte, auch nen Umbau geleistet, teilweise wars einfach etwas nervig, weil je nach Luftfeuchtigkeit und Temperatur die gewünschte Kleinschrittigkeit beim Stimmen nicht "drin" war. Gerade, wenn man die Instrumente nicht nur im heimischen Wohnzimmer auspackt, ist das schon ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Jedenfalls sollte man bei den Holzwirbeln mit Wirbelseife oder -kreide arbeiten, sonst ist das stufenlose Stimmen fast unmachbar frickelig. Oft hilft für 10-15 Ct "nach unten" nach dem Stimmen auch ein leichter Zug an der Saite neben dem Rad (Geigertrick).

Wolfgang verkauft die Allegros meines Wissens aber nicht mit Mechaniken, das muss man ggf. selbst tun. Der Optik wegen funktionieren Pegheds leider nicht - die Melodiesaiten laufen nämlich über den Kopf auf den Sattel, nicht darunter weg (so nur Schnarrsaiten, Bordune). Aber fragen, ob Wolfgang inzwischen was dahingehendes anbietet, schadet ja nichts, auch wenn ich's nicht wirklich glaub...

Viele Grüße,

Alex
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#8
Hi,

danke nochmal für die Tipps.

Ich muss sagen, nachdem ich mich länger auf der Seite von Herrn Seibert aufgehalten habe, sind seine Leiern auch in die deutlich engere Auswahl gekommen.

Das hat aber nicht nur was mit dem Preis zu tun. Optisch sind seine Instrumente sehr, sehr schön. Außerdem wohnt er wirklich deutlich näher als alle anderen an mir dran. UND ich fahr berufsbedingt jede Woche zweimal direkt an der Autobahnausfahrt vorbei und könnte hier jederzeit mal anschauen.

Hat mit Sicherheit Vorteile.

Wie sind die Leiern in Punkto Qualität und Sound gegenüber Hilsmann und Weichselbaumer? Funktionieren die Tonabnehmer auch gut?

Liebe Grüße und einen schönen ersten Mai,

Marcel
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#9
Die Leiern von Helmut sind völlig ok, aber Bauer wie Weichselbaumer und Hilsmann sind qualitativ und klanglich eine ganz andere Dimension (aber auch preislich). Das bestätigt dir sogar Helmut wenn du ihn frägst das seine Leiern nicht an die der 'Elite'-Bauer herran kommen. Helmut hat da ein anderes Konzept, er produziert lieber preiswert damit die Leiern auch für den kleinen Geldbeutel erschwinglich sind, dafür musst man eben Abstriche in Qualität und Klang nehmen.
Wobei die Leiern von Helmut bei weitem nicht schlecht sind - sie sind völlig ok - aber eben nicht geil Big Grin

Ich selber habe eine Seibert Leier und warte gerade auf meine Hilsmann Wink
Meine Seibert hat einen Tonabnehmer, aber da ich den momentan nicht benutze kann ich dir nicht sagen ob der was taugt.
Drehleiern kennen sehr wohl die Gesetze die Physik,
aber sie interessieren sich für diese nicht besonders.
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#10
Und was passiert mit deiner Seibert Leier, wenn die vom Hilsmamnn da ist? *g*


Ich hab gesehen, dass es wohl 2-3 Bücher über Drehleiern gibt, was Spiel, Handhabung Wartung usw. betrifft. Welche könnte ihr mir davon empfehlen? Dann könnte ich mich vorher schonmal einlesen!


Gruß, Marcel

Edit: Wenn ich mir die Bilder auf der Saitenklang Homepage anschaue, kann ich nicht verstehen, was da qualitativ anders ist. Dass alles anders klingt, kann ich nachvollziehen... Aber vielleicht fehlt mir auch die Erfahrung mit Drehleiern, da einen qualitativen Unterschied erkennen zu können.
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