Urheberrecht vs. "modern trad"
#1
ich habe eine allgemeine frage zu urheberrechten bei "moderner" traditioneller musik (damit meine ich folk-musik, die in den letzten jahrzehnten geschrieben wurde und teil des "standard-repertoires" der folk-szene geworden ist). vielleicht kann mich jemand hier etwas darüber aufklären.

bei vielen stücken des repertoires lebt der komponist ja noch und/oder das urheberrecht ist noch nicht verjährt. mache ich grundsätzlich etwas illegales, wenn ich so ein stück z.b. an einer session oder auf der strasse vor öffentlichem publikum spiele? wie ist es, wenn ich das stück aufnehme und dann z.b. bei youtube oder last.fm zum download zur verfügung stelle (mit angabe des eigentlichen urhebers)? mir scheint, das urheberrecht wird in der folk-welt relativ "unkompliziert" gehandhabt, oder täusche ich mich? ich kann mir kaum vorstellen, dass auf all den folk-CD-aufnahmen (vor allem live-aufnahmen) immer alle eigentlichen urheber explizit angefragt wurden, ob das stück auf der CD erscheinen darf...

vielleicht wurde das hier (oder in ähnlichen foren) schon mal diskutiert. ich bin froh um jeden hinweis.

viele grüsse aus der schweiz
Antworten
#2
Beim Urherberrecht handelt es sich um Schutz von Geistigen Eigentum, also sobald ich einen Song/Musik Komponiere und es bei der Suisa/Gema Anmelde
ist er geschützt. Jede öffentliche Aufführung dieses Songs muss auf einer Liste angemeldet werden, dabei Zahlt der Veranstalter einen Betrag der sich
meist nach der Grösse der Veranstaltung richtet, ich bekomme danach einen Teil ausgezahlt. Dasselbe gilt für Radio,Fernsehen. Youtoube hat letztens
einen Prozess verloren, in Zukunft muss auch Youtoube abrechnen.
Wenn Du einen Song von mir auf deiner CD spielen willst, musst Du auch bezahlen, auch hier berechnet sich die Gebühr nach Auflage.
Dabei spielt die Musikrichtung keine Rolle, also auch im Folk wird gezahlt.
Wichtig ist natürlich dass man die Lieder anmeldet.
Dabei ist wichtig zu wissen, dass beim Tod des Komponisten, das Uhrheberrecht nicht gleich erlischt, es geht noch min. 50 Jahre, erst dann ist er frei.
Daneben kann ich z.B. traditionelle Stücke auch Arrangieren, die sind dann zum Teil auch Gebühren Pflichtig. also wenn Du zum Beispiel mein Arrangement
von Schirazula spielen willst, musst Du auch Zahlen.
Dies alles gilt nicht wenn Du z.B. an der Geburtsagsparty deiner Freundin ohne Bezahlung ein paar Lieder spielst, oder an einer Session.
Grüsse markus3
Antworten
#3
Es gibt auch Urheber wie zB Christoph Pelgen die freie Musik für freie Leute kombinieren.

Christoph ist der Meinung das ihm damals die freie traditionelle Folk Musik so viel gegeben hat, das er jetzt der Folk Scene etwas zurück geben will. Daher können seine Stücke ohne irgendwelche gebühren oder abgaben gespielt werden.
Nur wenn du ein Stück aus seiner Feder auf CD veröffentlichst hätte er gerne ein Beleg Exemplar der CD.

Und das tolle ist, es gibt in der Folk Scene einige Musiker die das genau wie Christoph sehen.

Also nicht alle neuen Stücke sind GEMA Pflichtig!
Drehleiern kennen sehr wohl die Gesetze die Physik,
aber sie interessieren sich für diese nicht besonders.
Antworten
#4
Dass problem liegt halt im Profi Bereich anders, stell Dir vor Du Komponierst ein Song, der ist nicht geschützt und dann braucht ihn z,B. Mc Donalds
für seine nächste Webekampagnie?
Ist einigen meiner Kollegen schon passiert, wenn er angemeldet ist bekommst Du wenigstens Geld, wenn nicht wirst Du einfach nur über den Tisch gezogen.
Die idee von Christoph ist sicher löblich, es gibt auch andere Musiker die so denken, wenn es aber um viel Geld geht, ändert sich die Meinung aber meist schnell. Dass Problem ist vielfach auch die Gema selbst, mit überissenen Gebühren und Absurden Ideen, wie z.B. in Kindergärten zu kassieren.
leider gibt es bis jetzt keine alternative.
Antworten
#5
Und genau das finde ich eine super-einstellung.

Ich kenne Christoph Pelgen ja von der Folkwerkstatt und hab mir dort einige seiner Bücher und CDs gekauft. So wie andere auch.
Man sieht also, dass man auch Geld verdient wenn man nicht wegen jedem Furz den man mal von sich gegeben hat gleich klagt, blos weil andere auch mal Blähungen haben (so wie das halt im Massenmarkt üblich ist)

Ich finde es einfach viel angenehmer wenn man da ein gewisses Geben-Und-Nehmen-Vertrauen aufbauen kann. So wie das in der Folk-Szene vielleicht, hoffentlich, sich etabliert hat oder etabliert.

So dass nicht alles und jedes gebührenpflichtig und stets zu prüfen ist, aber andersrum eben auch nicht eine einseitige Bereicherung stattfindet, weil irgendein Heini sich die freien Stücke holt und dann als die eigenen verkauft oder aufführt.
Antworten
#6
"Einseitige Bereicherung":

Wo fängt die an?

Schon da, wo ich eine Melodie oder ein Musikstück z.B. als Straßenmusiker aufführe (Wer ist denn hier "Veranstalter"?) und in einem Hut vor mir Geldstücke einsammle? Oder erst, wenn ich das Stück "offiziell" auf CD veröffentliche oder EMMZEH Donald es als Werbung ge-/missbraucht?

Wobei "Bereicherung" als Straßenmusiker schon komisch klingt!

Jürgen
Antworten
#7
siehste.. wenn man als Strassenmusiker ein paar Euros verdient ist das doch was andres als wenn man Konzerte spielt und Eintritt nimmt. Oder ne eigene CD rausbringt ..
Oft kann man auch keine harte Grenze ziehen sondern muss von Fall zu Fall unterscheiden. Aber das wiederum ist odt zu aufwendig leider ..
Antworten
#8

@darkstain:

Vielleicht stehe ich grad ein bisschen auf dem Schlauch und verstehe Dein "siehste" nicht so ganz: Wo ist der Unterschied? Geld verdiene ich in allen Fällen mit dem geistigen Eigentum Anderer und die Menschen kommen zu mir, hören mir zu und geben mir das Geld.

Und an den begrenzten Räumlichkeiten kann es auch nicht liegen. Sonst hätte der Veranstalter des -ich glaub, es war der Bochumer- Weihnachtsmarkts nicht für die gesamte Fläche des Markts zahlen müssen und nicht nur für die Fläche vor der Bühne. Also müsste ich doch auch zahlen, wenn ich als Straßenmusiker fremde abgabepflichtige Stücke aufführe, egal, wie viele da zuhören oder ich "verdiene".

Und ob die Gema da großartig unterscheidet? Ich habe da so meine Zweifel.
Antworten
#9
Hey,
das Siehste war nur auf den letzten Satz bezogen .. "Wobei "Bereicherung" als Straßenmusiker schon komisch klingt!"

Das meinte ich damit .. und auch immer im Rahmen von "modern trad" Für mich ist das irgendwie was anderes als wenn, sagen wir, Omnia oder Faun ein Stück von mir "klauen" würden und auf ihre neue CD pressen. Aber wenn sie auf ihrer Tour ein Stück von mir nehmen und spielen das mal live oder interpretieren das, würde ich nicht gleich die Gema-Executive anrufen.

Die Gema unterscheidet natürlich nicht großartig.. aber von deren Vorgehen will ich mich ja auch nicht leiten lassen in meinen Gedanken Wink
Antworten
#10
(19.06.2012, 10:12)markusm schrieb: Beim Urherberrecht handelt es sich um Schutz von Geistigen Eigentum, also sobald ich einen Song/Musik Komponiere und es bei der Suisa/Gema Anmelde
ist er geschützt.

Unabhängig davon, ob du ein Stück bei der GEMA anmeldest, ist es durch das Urheberrecht geschützt. Indem du bei der GEMA Mitglied wirst, beauftragst du lediglich die GEMA dazu, für dich Gebühren zu kassieren und einen Teil davon an dich weiterzugeben.
Wenn ich ein Stück von einer Person spielen möchte, die nicht GEMA-Mitglied ist, muss ich mich selbst mit dieser einigen, ob und welche Gebühren der Komponist dafür nehmen möchte. Ob und wann diese Komponisten tatsächlich Gebühren einfordern für ihre Stücke bleibt natürlich ihnen überlassen.

Viele Grüße
Bastian

Kurze Ergänzung: Auf https://www.gema.de/musikurheber/neu-hie...erden.html schreibt die GEMA selbst über dieses Thema.
Antworten


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste