Stimmung Melodiesaiten
#1
Hi,

ich hoffe, dass ich hier mit meiner Frage richtig bin:

Als ich meine Leier gekauft habe, waren 3 x g Melodiesaiten aufgezogen.

Nachdem ich gestern aus dem Urlaub und die Leier von Alexandra Betz zurückgekommen ist, hat sie eine Stimmung von G c g.

Alexandra meinte, das wäre mittlerweile eine ganz typische Stimmung für C-Dur, für D könnte man ja die mittlere Saite grad einen Ton hochstimmen.

Vorher hat sich die Leier sehr fein angehört, jetzt ist sie durch die tiefen Saiten schon sehr mächtig... wenn alle Melodiesaiten eingehängt sind, ist sie schon "monströs". Ich überlege, die mittlere Saite wieder zu einer g Saiten umzurüsten, also dann zweimal g und einmal die tiefe G-Saite. Dadurch verliere ich aber wieder die Möglichkeit auch in F zu spielen, wenn ich die beiden G-Saiten aushänge.

Wenn ich aber häufig mit Begleit- ("Akkord"-) Instrumenten spiele, kann ich ja eh nur die G-Saiten nutzen, weil ich durch die G und C bzw. G und D-Saiten ja Akkorde erzeuge, die sich mit den Akkorden der Begleitinstrumente reiben können / werden.


Wie sind eure Erfahrungen? Wie sind eure Melodiesaiten gestimmt und warum?


Danke und liebe Grüße,

Marcel
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#2
Moin,

das hat natürlich mit Geschmack und den Lautstärken der einzelnen Saiten zu tun, eine definitive Antwort wird man dir also kaum geben können...

Wenn die Melodiesaiten bei deinem Instrument so laut klingen, dass sie einzeln spielbar sind (was bei Leiern der moderneren Bauart die Regel zu werden scheint), ist doch alles Butter.

Aber auch zwei oktavierte Melodiesaiten zu spielen ist sehr gängig und gibt einen schönen fetten, durch die Oktavsaite aber auch silbrigen Effekt, die Grundfrage vor einer Änderung lautet also: Ist es dir wichtig, mehr als zwei oktavierte Melodiesaiten gleichzeitig zu spielen (in deinem Fall nun G und g), oder fehlt dir dabei nichts und alles kann so bleiben.

Auf G c und g (bzw. nur c und g) gemeinsam zu spielen, dann wohl am ehesten in c (die c-Saite dann also in f klingend dazu), ist ja aufgrund der Quart- bzw. oktavierten Quintparallelen eher was für stellenweise Effekte, permanente Quintparallelen funktionieren außer bei authentischer Mittelaltermusik ja nur höchst selten klanglich befriedigend.

Deine Ausführungen zu den Begleitinstrumenten erschließen sich mir noch nicht ganz. Das hängt doch davon ab, in welcher Tonart du spielst - die anderen Saiten hängst du doch einfach aus, von denen "stört" doch dann nichts... also in den klassischen Grifflagen meistens

in g spielen mit G/g Melodie, G Bordun und g' Schnarre (oder d' Schnarre, falls nur diese vorhanden)

in c spielen mit C Bordun, c Melodie oder G(/g) Melodie und c-Schnarre (oder ggf. g-Schnarre - zwar Quinte, aber meistens von den Lautstärkeverhältnissen noch erträglich)

in f spielen mit C-Bordun, c Melodie und c-Schnarre

in d spielen mit ohne Bordun oder d-Bordun oder a-Bordun, hochgestimmter c-Saite oder so auf der c-Saite, d-Schnarre oder a-Schnarre.

Da reibt sich dann mit der Begleitung von den Tonarten her nichts mehr als bei Bordunmusik mit Akkordbegleitung ohnehin, wenn man von manchmal nicht exakt passenden bzw. auf Quart oder Quint liegenden Schnarren und Bordunen absieht...

Liebe Grüße,

Alex
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#3
Hi Alex,


danke für deine Ausführungen.

Die Leier (Lautenleier von Gotschy) ist sehr laut, auch eine einzelne Saite kommt schön durch. Vorher hatte ich immer 2x g Saite gespielt, was ich klanglich sehr schön fand. Wenn ich G und g spiele, dann hör ich von der hohen Saite eigentlich überhaupt nichts mehr... nur noch das tiefe Brummen. Die blanke Darmsaite kommt hier nicht richtig durch.

Das ganze Instrument war vorher eher "fein", jetzt drückt die tiefe G Saite schon ziemlich! Auch die G Schnarre (war vorher gerissen und konnte noch nicht getestet werden) knattert sehr laut und aufdringlich... da gefällt mir die höhere C-Schnarre doch besser.

Hab auch an der G-Schnarre und am G-Bordun einen Kapo, kann also D auch mit jeweils zwei a begleiten.

Das mit den Begleitinstrumenten hab ich so gemeint:

Zwei Quintparallele Töne geben doch immer einen (reinen) Akkord auf den Grundton. Das heißt, diese Akkorde müssten sich mit den Begleitakkorden reiben... oder? Das das Ergebnis klanglich nicht befriedigend sein kann, höre ich mir von meiner Freundin schon seit zwei Wochen an... Langsam glaube ich ihr ;-)


LG; Marcel
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#4
Hi,

so, jetzt hab ich noch konkrete Fragen:

Ich/wir möchten gerne Stücke aus Obermeiers Bordun-Polyphonie spielen.

Die Grundstimmen sind ja immer für Säcke in 16p, Grundton g. Also genau das, was ich auch mit den G-Saiten spielen würde.

Die anderen Stimmen sind entweder in 20 p (Grundton D) oder 23p (Grundton C). Natürlich diese beiden Stimmen nur entweder/oder... sie kommen selbstverständlich nicht beide während eines Stückes vor.

Nur um sicher zu gehen nochmal die Frage:

Wenn ich möglichst alle Stimmen spielen möchte, ABER die C-Saite nicht ständig hoch- bzw. die D-Saite runterstimmen möchte, wäre es doch am besten, die Saiten in G C g zu stimmen, oder?

Die G-Saiten nutze ich zum spielen den 16p Stimmen, die C-Saite für die anderen beiden Stimmen. Wenn ich eine Stimme in 20p spiele, muss ich nur aufpassen, dass ich die Tasten nicht auslasse, da ich sonst nicht den Grund- sondern den Leitton auf der leeren (d.h. ungegriffenen) Saite habe.

Dafür habe ich aber den Leitton, welcher mit beim Spielen einer C-Dur Melodie auf der C-Saite fehlen würde.

Die Wahl der Schnarre richtet sich nach der Stimmung des Stückes, welche sich innerhalb von Obermeiers Werken auf C-Dur, G-Dur und g-moll beschränkt. Bordune und Schnarre verfügbar hätte ich (ohne Saiten umzustimmen) in g, a und c. Und häufiges Umstimmen möchte ich eigentlich eh vermeiden...

Ich weiß jetzt gar nicht so richtig, was meine Frage ist... nur: Stimmen meine Ausführungen, oder bin ich auf dem Holzweg. Bin grade erst am Einarbeiten bzgl. Drehleier und auch am Auffrischen meines musikalischen Verständnisses... da bin ich auch für jeden Tipp dankbar!


LG, Marcel
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#5
Moin,

fast alles korrekt gedacht; mit G C g meinst du vermutlich die von dir im ersten Beitrag genannte Stimmung G c g (die Benennung der neuen Tonleitern fängt immer ab c an, sich zu ändern - G c g ist also eine in der Höhe aufsteigende Reihenfolge. Abgesehen davon kenne ich keine Lautenleier, die eine tief-c-Saite verkraften und dabei gut klingen würde...

Leittonalität gibt's übrigens nur in Dur, in Moll gibt es keine eigene vergleichbare Bezeichnung für die siebte Stufe der Tonleiter. Die tiefe siebte Stufe unter dem Grundton fehlt dir dann in c auf der c-Saite auf jeden Fall, in c auf der G-Saite nicht - und das würde exakt dem Abstand 16 zu 23 p entsprechen, also warum nicht mal versuchen, das ganze auf der G-Saite zu spielen (mit Oktavsaite dazu oder auch nicht)?

Zum Thema Quinte: Prinzipiell hat deine Freundin natürlich recht. Praktisch ist es aber eher eine Frage der Anzahl zusammen spielender Instrumente und der Lautstärke der Quintschnarre bzw. der Bordune. Schicker ist es unter den Gesichtspunkten des Zusammenspiels und der Unauffälligkeit natürlich immer, eine Schnarre auf dem Grundton hinbekommen zu können.

Übrigens: Achtung, ab und an sind bei Obermeier auch verschiedene Modi / Kirchentonarten dabei!

Liebe Grüße,

Alex
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#6
Hi Alex,

danke nochmals für deine Ausführungen!

Das mit C-Dur auf der G-Saite spielen hatte ich mir auch überlegt. Ist ja eigentlich auch das typische, spiel ich ja sonst auch. Aber ich hatte mir überlegt, ob die tiefe Saite dazu nicht besser geeignet wäre, um den Stücken mehr Fülle zu verleihen. Immerhin spielen sonst die meisten Drehleiern und Dudelsäcke höher.

Auch weiß ich nicht, ob Tonabstände von gleichzeitig klingenden Tönen in Nonenabständen nicht ganz so scharf klingen wie in Sekunden? Ich dachte, ich hätte da sowas gesehen.

Also auf der G-Saite spielen könnte ich das ganze natürlich eh, aber was mach ich dann überhaupt mit der C-Saite?
Oder hälst du die Idee die mittlere Saite in d zu stimmen doch für die sinnvollere? D.h. G- und C-dur auf den G-Saiten, D-Dur auf der D-Saite?
Bzw. ist im Obermeier meines Wissens eh kein Stück in D-Dur. Die tiefen Stimmen für die Instrumente in 20 p sind meines Wissens nach ausschließlich in G-Dur.

Das mit den Kirchentonarten hab ich bisher noch nicht festgestellt. Aber da bin ich eh nicht so fit drin, muss ich gestehen!


Gruß, Marcel
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#7
Zitat:Das mit C-Dur auf der G-Saite spielen hatte ich mir auch überlegt. Ist ja eigentlich auch das typische, spiel ich ja sonst auch. Aber ich hatte mir überlegt, ob die tiefe Saite dazu nicht besser geeignet wäre, um den Stücken mehr Fülle zu verleihen. Immerhin spielen sonst die meisten Drehleiern und Dudelsäcke höher.

Eine Schäferpfeife/Cornemuse 16p (g/c) spielt auf der Höhe deiner hohen g-Saite, die Cornemuses 20p bzw. 23p entsprechend Quart/Quint tiefer. Auf der tiefen G-Saite in c bzw. d zu spielen entspricht dann genau dem von Obermeier vorgestellten Zusammenklang.

Zitat:Auch weiß ich nicht, ob Tonabstände von gleichzeitig klingenden Tönen in Nonenabständen nicht ganz so scharf klingen wie in Sekunden? Ich dachte, ich hätte da sowas gesehen.

Wenn dort im Original zwischen den Melodiestimmen Sekunden vorkommen, dann sind die sicher gewünscht Smile Falls es sich um (dann vermutlich jeweils oktavierte) Sekunden zum Bordunton handeln sollte: Keine Panik, da gilt das gleiche Prinzip.

Wie kommst du genau auf Nonen? Die Frage stellt sich ja nur, wenn du ein Stück - etwa in c auf der c-Saite - spielst, und der Dudelsack, von der Lage her exakt eine Oktave darüber, nicht unter den dann plagalen Grundton spielt - was recht ungewöhnlich wäre. Aber du hast recht, Nonen gelten als weniger dissonant als Sekunden.

Im Obermeier sind insbesondere ein paar (g-)dorische Sachen, z.B. Tous les parphums. Sieht aus wie d-moll, isses aber nicht Wink

Die meisten Leierspieler, mit denen ich zusammenspiele, haben eher eine d- als eine c-Saite. Aber wer z.B. viel mit Hümmelchen oder Bock musiziert, freut sich über die c-Saite, wer eher Balfolkorientiert ist (die Obermeierstücke sind ja grundsätzlich mal aus der Ecke, auch wenn man sich über die Zeitgemäßheit jetzt streiten könnte...), eher über die d-Saite, da die recht bequemes Spiel in den G-Tonarten ermöglicht (mit Leitton bzw. Septime und noch ein paar Tönen drunter zur Harmonisierung, quasi ein d-Sack, der beim Grundton aufhört). Luxus ist halt beides...

Liebe Grüße,

Alex
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