Hilfe bei Neukauf
#1
Bräuchte mal dringend euren Rat. Bin nämlich grad von nem Schnupperkurs auf Lißberg (Reichmann Leiern) zurück und möchte mir auf jeden Fall eine Lautendrehleier kaufen. Zu meinen Vorraussetzungen: spiele schon seit vierzig Jahren auf Auftritten, und beherrsche Klavier, Gitarre und sämtliche Blasinstrumente der Region, bin aber auf der Drehleier ein absoluter Anfänger.

Nun habe ich folgendes Problem: Welche Leier soll ich mir zulegen??? Denn: Ich spiele gleichzeitig in drei verschiedenen Gruppen, für die ich die Leier später nutzen möchte.
Einmal benötige ich ein Instrument, das für Mittelaltermärkten geeignet ist, also laut spielt und Krumhörnern, Kornamusen und Schalmeien gegenüber bestehen kann? Dann jedoch spielen wir wieder in Konzertsäälen, da darf die Leier nicht zu schrill sein, oder die Flötenmusik übertönen. Für die dritte Gruppe benötige ich die Leier wahrscheinlich am meisten: Hier spielen wir sehr leise, in Wirtshäusern oder Stuben zu Harfe, Zither, Hackbrett, Ocarina, Klarinette und Akkordeon.

Ist das mit einem Instrument überhaupt zu bewältigen?

Ich sitze gerade hier und suche auf Webseiten herum .... und bin ziemlich ratlos. Muss ich eher ein teureres Instrument (zehn Saiten) wählen, da es schneller in den Tonarten zu wechseln wäre? Dachte ich könnte dann die Bordunsaiten und die zweite Schnarre in verschiedenen Tonarten stimmen und könnte so schneller wechseln. Oder reicht eines mit acht! Und bin ich mit Reichmann einigermaßen bedient? Ich kann halt nicht ewig warten und bei ihm sind die Leiern nicht allzuteuer, bzw. man bekommt sie relativ bald, da er von jeder Sorte einige auf Lager hat? Außerdem habe ich ihn nun persönlich kennengelernt und er kommt öfter in München vorbei, könnte mir also am Anfang etwas helfen.

Wäre froh, wenn mir da jemand weiter helfen kann, denn da die Dinger ja so teuer sind, will ich lieber von Anfang an die richtige Wahl treffen.
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#2
Hallo Hobbit,

das klingt für mich schon ein wenig nach der eilerlegenden Wollmilchsau die du suchst.

Erstmal vorne weg: Drehleiern neigen dazu prinzipell sehr sehr sehr schnell unter zu gehen.
Im Freien ganz besonders.
Bei vielen Drehleiern hört man dann auch häufig nur die Schnarre und von den Melodiesaiten ist kaum noch etwas bis gar nix mehr zu hören.

Eine expliziete Empfehlung kann ich dir nicht geben.

Wenn du eine Lautenleier möchtest (ich hoffe doch weil dir der typische franz. Klang gefällt und nicht wegen der Optik des Instrumentes), würde ich mir eine von einem französischen Bauer kaufen.

Prinzipell gilt mehr mehr Saiten um so besser, allerdings als Anfänger sollte man sich auf 2 bis max 3 Melodiesaiten beschränken.

Bei einer Drehleier mit 4 Melodiesaiten (ich meine Lautenleiern haben für gewöhnlich maximal eh nur 3) ist die gängige Kombination

G, g, D, C

G ist meist Oktaviert,
Eine tiefe D Saite
und eine ultra tiefe C Saite.

Bei Lautenleiern findet man häufig D, d oktaviert, statt G, g.

Häufig spielt man auch bei den Melodiesaiten die Quart.

Spricht bei einer g Seite wird gerne das c als Grundton genommen. Das wird dann als g/c bezeichnet.

Zudem gibt es noch die möglichkeit die Bordune und Schnarren mit Kapos zu versehen, die den Ton um einen Ganztonschritt noch oben verschieben.

Hast du zB für deine g Melodie Saite einen G Bordun kannst du ihn per Kapo auf A Stimmen, damit ist dann der Grundtun auf der Melodiesaite das A und nicht mehr das G.

Das führt aber zu einer Menge von weiteren kleinen Problemen, zB sollten solche Drehleiern meiner Meinung nach temperiert gestimmt werden und nicht mehr rein. Wenn eine Drehleier temperiert gestimmt ist hat man den Vorteil das sie besser zu "normalen" Instrumenten passt, aber dafür hat man zum Bordun leichte klangliche schwebungen. Wenn man aber öfters die Kapos benutzt und das Instrument auf g rein gestimmt wäre, klänge es mit Kapos auf a nicht gut.
Bei einer temperieten Stimmung hat man den Kompromiss das es halt in jeder Stimmung gleich gut/schlecht klingt, aber dafür im Zusammenspiel mit anderen temperierten Instrumenten besser klingt.

Wobei es spielerisch 100% nicht optimal ist bei einer g Saite auf a zu spielen. Zumindest würde ich das Anfänger erstmal lassen.

Drehleiern kennen sehr wohl die Gesetze die Physik,
aber sie interessieren sich für diese nicht besonders.
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#3
Hihi, die eierlegende Wollmichsau steht bei uns im Wolperdingermuseum.

Aber ..... danke, das hilft mir schon sehr weiter. Ich werde mir dann mal eine Leier suchen, die eher leiser klingt und das andere lassen.
Am Anfang hätte ich eh erst einmal weitere Melodiesaiten ausgeschaltet, bis ich mit der Stimmung vertrauter bin. Kann ja am Anfang eh nur "normal" stimmen, da ich auf Stimmgeräte angewiesen bin. Ich höre zwar wenn es falsch ist aber mit temperierter Stimmung kenne ich mich nicht aus. Wie macht ihr das?

PS.: Wie kommt man an französische Leiern ran? Von Bayern aus hab ich noch keine gesehen und gehört. Was spricht gegen Reichmann? Bei den Mittelalterfesten auf denen ich war haben sehr viele eine von ihm. Dachte bis ich das Instrument besser beherrsche "reicht"das erstmal.
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#4
also ich würde mir eher eine kräftige leier suchen, außer du spielst hauptsächlich mit tonverstärker.
nochmal, eine leier geht idR als erstes unter wenn man mit mehreren instrumenten zusammen spielt.

Wenn ich eine franz. Leier wollte würde ich mir die defintiv aus Frankreich hohlen, die Franzosen haben es drauf gute Drehleiern zu bauen. Ganz besonders französische.

Mein Überblick über die franz. Drehleierbauer Gemeinschaft ist recht klein.
Aber viele gute und erfahrene Drehleierspieler spielen Leiern von Denis Siorat.

http://www.luthier-vielles-siorat.com/

Habe auf seiner Webseite auch Lautenleiern gesehen.

Gibt aber bestimmt noch andere sehr gute franz. Bauer.
Drehleiern kennen sehr wohl die Gesetze die Physik,
aber sie interessieren sich für diese nicht besonders.
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#5
kleine Korrektur, bin oben bei den Melodie Saiten in der Schreibweise eine Oktave verrutscht.

richtig lautet es natürlich

g´ d´ g c
Drehleiern kennen sehr wohl die Gesetze die Physik,
aber sie interessieren sich für diese nicht besonders.
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#6
ach ja,

das thema reine vs temperierte stimmung wurde hier im forum schon oft angesprochen (suche benutzen).

ansonsten zum einlesen:

http://faq.sackpfeifen.info/content/4/40...mmung.html

ist zwar für dudelsäcke, aber genauso gültig für drehleiern.
Drehleiern kennen sehr wohl die Gesetze die Physik,
aber sie interessieren sich für diese nicht besonders.
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#7
Siorat stellt keine Lautenleiern her. Zu empfehlen sind folgende Hersteller von Lautenleiern in Frankreich:

1. Boudet, http://www.vielle-boudet.com/
2. Kerboef, http://www.bernard-kerboeuf.fr/
3. Cranga, http://www.boisbuis.com/boisbuis/Vielle_a_roue.html

in dieser Reihenfolge (ist aber Geschmacksache).
[Bild: Startbild_gr.jpg]

Einzige Lautenleier aus der Werkstatt von Sebastian Hilsmann
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#8
Hey Armin,

scroll mal ganz nach unten

http://www.luthier-vielles-siorat.com/en...-gurdy.php

Für mich liest sich das so das er das als Sonderanfertigung macht.

Aber natürlich sind Bauer zu bevorzugen die das regelmäßig machen. Danke für die Auflistung.

Gruß

Marc
Drehleiern kennen sehr wohl die Gesetze die Physik,
aber sie interessieren sich für diese nicht besonders.
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#9
Moin,

als eher leisere Leiern kann ich dir die von Reichmann empfehlen. Allerdings solltest du schaun, dass du jemanden mit Erfahrung findest, der dir beim Einrichten hilft, denn daran hapert es bei seinen Leiern am Anfang ein wenig (also Abstimmung der Saiten untereinander, Spielbarkeit der hohen Töne etc.). Ansonsten sind es wirklich gute Instrumente.

Vielleicht eine interessante Alternative wenn du nicht zwingend auf die g/c-Stimmung angewiesen bist: http://drehleierforum.truar.com/showthread.php?tid=266. Eine gebrauchte Boudet Lautenleier von Leier.Leo in d/g-Stimmung. Ist vielleicht ein Blick wert.
Grüße,

Alex
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#10
Tja, Sonderanfertigungen sind nicht so mein Ding, die sind sicher sehr teuer, seufz. Und Französisch kann ich nicht! Aber danke für die links. Hier wird einem echt weitergeholfen.
Dem letzten Link werd ich mal nachgehn. Fragt sich nur ob man die noch nach einem Jahr bekommt. Aber ich werd mal ein Foto anfordern.

Ich könnte von einem Bekannten eine Lautenleier Royal - zehn Saiten von Reichmann - bekommen, deshalb hab ich danach gefagt. Die steht nach einem Todesfall dort nur noch rum, ist aber ein paar Jahre lang bespielt worden. Jetzt weiß ich nur nicht ob ich das machen soll. Bin ja Laie beim Einrichten. Auf der darf ich in der nächsten Zeit auch immer wieder spielen. Die klingt für meinen Geschmack sehr schön, ist aber vom Korpus her keine richtige Lautenleier, denn die hat ja noch Ecken und Kanten. Smile
Aber nächstes Jahr möchte ich unbedingt zum Lautentreffen vielleicht wart ich bis dahin, dann hab ich bestimmt mehr Erfahrung.

Vielen Dank jedenfalls an euch allle!
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