Holz- oder Metallfähnchen?
#1
Ich habe vor einigen Monaten eine Phoenix Ultra bei Alexandra Betz in Auftrag gegeben und steh vor der Wahl, ob ich Holz- oder Metallfähnchen will. Da ich selbst noch keine Drehleier besitze und das meine erste Drehleier sein wird, fällt mir die Wahl da etwas schwer, weil ich daher noch keine eigene Erfahrungen mit der Wartung & Co. von einer Drehleier habe.

Die Holzfähnchen die sie einbaut, sind nicht diese typischen Steckfähnchen, sondern auch justierbare, festgeschraubte Fähnchen.

Ich habe schon mit Alexandra darüber geredet und sie meinte, dass die meisten Kunden, die Holzfähnchen drin haben, damit keine Probleme haben und ihrer Meinung nach der Wartungsaufwand bei beiden Typen sich ziemlich die Waage hält. Früher gabs wohl mal Probleme, dass die Fähnchen leicht beim Festziehen durchbrachen. Das Problem gibt es mittlerweile aber scheinbar nicht mehr, nachdem sie passende Unterlegscheiben in der richtigen Größe gefunden hat.

Meine eigenen Erfahrungen mit Holz- & Metallfähnchen halten sich noch sehr in Grenzen. Ich durfte auch mal auf ihrer privaten Novello mit Metallfähnchen spielen (sie hatte die damals wohl nur als Experiment eingebaut und meinte, dass sie sich heute wohl eher Holzfähnchen einbauen würde). Ich fand das Spielgefühl etwas anders als mit Holzfähnchen und auch etwas "unschöner". Aber das wäre ja nur Gewöhnungssache. Ansonsten bin ich Holzfähnchen von der Nyckelharpa gewöhnt, da stören sie mich überhaupt nicht, aber das kann man wohl nicht vergleichen, es ist ja ein ganz anderes Instrument...

Mir persönlich sind gerade die Holzfähnchen sympathischer. Aber ich bin mir unsicher.
Ich wäre also für Tipps und Pro/Contra-Argumente zu den beiden Fähnchentypen echt dankbar.
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#2
Hallo Pan!
Holzfähnchen müssen nicht schlecht klingen, wenn Sie gut eingerichtet sind gibt es da kaum Unterschiede. Aber wenn das Wörtchen "Wenn" nicht währe. Die Fähnchen sollten sich nicht nur nach rechts und links justieren lassen sondern auch nach oben und unten damit auch beim Spiel mit mehreren Melodiesaiten ein gleichzeitiges Andrücken der Fähnchen auf die Saiten justierbar ist, ohne die Fähnchen zu bearbeiten.
Viele Leiern der "großen Drehleierspieler" haben Holzfähnchen und Ihre Leiern klingen super.
Bei Metallfähnchen ist das Justieren einfacher und sie klingen auch deshalb schneller besser. Der Ton spricht schneller und leichter an. Bei manchem Drehleierbauer fallen Sie auch schnell auseinander.
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#3
Danke schonmal für deine Antwort, Erwin! Der Tipp bezüglich der Verstellbarkeit nach Oben/Unten ist gut, da hab ich noch gar nicht drauf geachtet. Muss ich mal danach schauen.

Dass sich die Fähnchen klanglich nicht so viel geben, glaube ich auch. Meines Wissens ist der Hauptunterschied ja beim Warten - und da würd ich halt gern mehr erfahren, was bei den jeweiligen Arten die Vor- und Nachteile sind. Ich hab mir sogar extra das Drehleier-Wartungsbuch deswegen gekauft, aber leider steht dazu nur sehr wenig im Buch. Bezüglich der Spielbarkeit fand ich übrigens bei meinem bisher einzigen Versuch mit Metallfähnchen, dass man wesentlich fester greifen muss und der Ton erst später sauber "abgegriffen" wurde, als bei Metallfähnchen. Aber das kann ja auch an den Einstellungen liegen... (oder?).
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#4
Also da ich ich ein eher fauler Mensch bin käme ich gar nicht auf die Idee mir Holzfähnchen ein zu bauen. Holz ist ja ein lebendiges Material das sich verändern kann - was bei Fähnchen die ziemlich exakt eingestellt werden müssen meine Faulheit nicht gerade unterstützt Wink

Ob man jetzt mit Holzfähnchen weniger stark drücken muss bis der Ton kommt ist mir unbekannt.
Wie schon erwähnt kann man ja Metallfähnchen in in alle 4 Achsen verschieben und damit auch näher an die Seite ran was dazu führt das man weniger druck braucht, aber auch das die Amplitude häufiger an Fähnchen schlägt.

Ich rate auf jeden Fall zu Metallfähnchen.
Drehleiern kennen sehr wohl die Gesetze die Physik,
aber sie interessieren sich für diese nicht besonders.
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#5
Eigentlich hatte ich mich mittlerweile ja fast für Metallfähnchen entschieden, am Wochenende hatte ich jetzt aber mal die Gelegenheit eine Phoenix (ich kriege ebenfalls eine) mit Metallfähnchen auszuprobieren und war vom Spielgefühl etwas abgeschreckt. Die Tasten haben viel mehr Druck gebraucht, ich hatte das Gefühl das es länger dauerte, bis der Ton ordentlich ansprach/stand und das "Abgreifen" der Saiten hat sich viel träger angefühlt. Als ich direkt danach dann wieder eine Phoenix mit Holzfähnchen gespielt hab, war das ganz anders und es hat sich total butterweich angefühlt... hm...

Momentan tendiere ich dazu, mir erstmal Holzfähnchen einbauen zu lassen. Da sie bei den Phoenixleiern auch in alle vier Achsen verstellbar sind, ist zumindest mal die nötige Einstellbarkeit gegeben. Das fühlt sich für mich momentan einfach irgendwie besser an. Da ich in der Werkstatt jetzt auch mal das Ein-/Ausbauen und Einstellen probieren konnte und da vom Aufwand her keinen großen Unterschied zwischen den beiden Fähnchentypen feststellen konnte, fällt mein persönliches Hauptargument für Metallfähnchen auch weg... (kann natürlich sein, dass sich diese Meinung mit mehr Spielerfahrung irgendwann ändert)

Falls ich irgendwann dann doch noch Metallfähnchen will (wer weiß...), kann ich sie ja noch nachträglich reinbauen lassen. Aber gerade hab ich das Gefühl, dass ich mit den Holzfähnchen glücklicher werde.
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#6
Holzfähnchen die sich in alle 4 Achen schieben lassen? Bin neugierig und warte gespannt auf die Photos Big Grin
Drehleiern kennen sehr wohl die Gesetze die Physik,
aber sie interessieren sich für diese nicht besonders.
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#7
Verschiebbar sind sie nicht in alle 4 Achsen, nur verstellbar. Horizontal können sie nur gedreht werden, Vertikal sind sie aber verschiebbar. Oder anders gesagt: Die Schraube des Fähnchens kann man sich als den Mittelpunkt eines Kreis denken. Das Fähnchen kann dabei auf der Kreisbahn bewegt werden (= Fähnchen drehen) und der Radius des Kreises ist verstellbar (= Fähnchen vertikal verschieben). Dadurch ergibt sich dann natürlich auch eine leichte horizontale "Verschiebarkeit" (natürlich keine echte, aber ich glaube, du weißt was ich meine).

Bei den Metallfähnchen, die in die Phoenix eingebaut werden können, ist das aber auch genauso, d.h. die sind ebenfalls nicht horizontal verschiebbar, nur vertikal. Ist das bei deiner Hilsmannleier anders?

Auf Photos musst du leider noch etwas warten. Ich durfte jetzt am Wochenende das Holz für die Zargen raussuchen, es dauert also noch ein wenig, mit Glück ist sie Anfang Dezember fertig. Du kannst deine Neugierde aber auch jetzt schon stillen, hier im Forum gibts ja schon einige Photos von Phoenixleiern. Supervroun hat z.B. eine Phoenix Alea mit der gleichen Holzfähnchenart.
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#8
genauso ist es auch bei metallfähnchen. horizontal drehbar, vertikal verschiebbar.

dann drücke ich dir mal die daumen das sie wirklich auch im dezember kommt Wink
Drehleiern kennen sehr wohl die Gesetze die Physik,
aber sie interessieren sich für diese nicht besonders.
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#9
Die Holzfähnchen, welche bei meiner Abraxas (Dezember 2006) dabei waren, haben mir viel Frust bereitet (beim hohen E immer zu dick, selbst die bereits zu dünnen und deshalb brüchigen) und sind alle irgendwann zerfallen, deshalb habe ich sie damals gegen langlebigere Kunststofffähnchen ähnlicher Form (nur schlanker) aus eigener Produktion ersetzt und diese vor ein paar Tagen nochmal zu einer Form zwischen modernen Holz- und Metallfähnchen umgebaut, für die ich keine neuen Löcher in die Tasten bohren musste. Ich bin damit nun ganz zufrieden.

Schön, dass Alexandra einige der Fehler ihres Vorgängers behebt, die Unterlegscheiben sind dringend nötig, auch ansonsten schien sie einiges besser hinzubekommen bei dem, was ich bisher so an ihren Ständen in der Hand hatte.
Hoffentlich macht sie auch nicht den Konstruktionsfehler mit den Sollbruchstellen beim Schalloch, welches bei Helmut spitz direkt zwischen die Jahresringe auslief und hoffentlich fällt das Teil zum Aushängen der Saiten auch nicht mehr irgendwann einfach ab, sowas wird bei ihr wohl eher nicht passieren.

Ich persönlich würde eher keine Drehleier mit Holzfähnchen bauen, wer den härteren Anschlag und entsprechenden Klang haben möchte, dem würde ich eher zu Metalltangenten mit knüppelharter Gummierung oder Kunststofftangenten raten. Bei meinen kann ich das Gummi nach belieben wählen und wechseln.

Offtopic: Dass Herr Gotschy damals auch noch 160€ für zwei Kapodaster haben wollte, die nach wenigen Monaten bereits ernste Probleme gemacht haben und irgendwann überhaupt nicht mehr funktionierten, war natürlich auch toll... Ich habe die irgendwann mal einem bekannten Harfenbauer (Pepe Weißgerber) gezeigt und der meinte, diese Art würde aus gutem Grund schon seit Ewigkeiten bei Harfen nicht mehr verwendet. Die habe ich irgendwann gegen Loveland ersetzt und wie ich sehe, nutzt Alexandra die inzwischen auch.
Das schöne an meiner Phoenix war aber stets die Lautstärke. Smile

Da das Thema nun schon etwas älter ist (es wurde nur gerade darauf verlinkt):
Wie ist sie denn nun, deine Phoenix?
„Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“
Thomas Morus (1478-1535)
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#10
Antwort auf Pan Thread Drehleiergalerie

Pan schrieb:
"oder im Extremfall wird eine Saite überhaupt nicht mehr vom Holzfähnchen berührt, womit der Ton dann auf der Saite nicht mehr gegriffen werden kann)"


ich habe mir für den Fall ein Schnitzmesser besorgt mit dem man Senkrecht von oben nach unten schnitzen kann.
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Xxxxxx / -->
Xxxxx/
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(Die x sollten Leerzeichen sein die werden aber anscheinend am zeilenanfang gelöscht )

links wäre der Griff und der Pfeil die Schnitzrichtung die schrägstriche die scharfe Klinge.

Bei wackelnden Fähnchen habe ich den Schaft mit sehr dünnem Papier umwickelt (ähnlich Zigarettenpaier)

Und wichtig immer ein paar Ersatzfähnchen vom Drehleierbauer.

Ich bin bei meiner dreichörigen Leier mit Holzfähnchen gut zurecht gekommen
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