Drehleierkauf: welche Stimmung der Melodiesaiten?
#1
Guten Abend,

vor fast 2 Jahren bin ich vom Drehleiervirus infiziert geworden. Ich fürchte, ich bin unheilbar begeistert. Viele Instrumenten interessieren mich, aber die Sehnsucht in den Tagen nach jedem Drehleierkurs war unvergleichbar. Vor einem halben Jahr habe ich ein Leihinstrument bekommen vom Walter Simons, damit ich besser herausfinden konnte was für eine Drehleier ich brauche. Nach ein halbes Jahr spielen und experimentieren habe ich eine bessere Idee welche Ausstattung ich brauche. Ich möchte mich aber von euch informieren lassen über die Stimmung der Saiten, da ich mich auf diesem Gebiet nicht so auskenne. Als Kind habe ich 5 1/2 Jahre Klavierunterricht gehabt, aber da musste ich mich weder um Stimmungen kümmern noch Musiktheorie lernen. Dass ich weiß was eine Quinte ist, habe ich nur Wikipedia zu danken Angel

Mein Leihinstrument hat 2 Melodiesaiten (c/g), 2 Bordunsaiten (C/G) und 2 Schnarrsaiten (c/g). Ich vermute dass mir das langfristig nicht reicht Smile Beim Hummelkurs habe ich den Hummelordner voller Balfolkmusik gekauft, dafür erscheint mir eine G/C Drehleier größtenteils zu reichen. Aber für u.a. manche Irish-Folk Stücke haben mir Bordun- und Schnarrsaiten in d und a gefehlt. Also ich habe jetzt die Marie-Louise vom Walter Simons im Auge (3 Melodiesaiten, 3 Bordunsaiten, 2 Schnarrsaiten), welche aber ohne Kapodaster wahrscheinlich nicht Komplett wäre Big Grin Mein Problem ist, ich mag viele Arten Musik: neben Balfolk/Mittelalter spiele ich auch gerne Folk-Musik aus anderen Regionen (ich habe viel vor mit z.B. http://www.folkloretanznoten.de Smile ), und ich würde auch gerne experimentieren mit total anderen Musikarten (ein Versuch zum `Hotel California' kam leider nicht weit, da 2 Oktave dafür nicht reichen Sad ). Also ich bin unsicher: welche Stimmung brauche ich, damit ich möglichst viele Musikarten spielen kann?

Ich habe einige Topics um diesen Thema in diesem Forum gelesen, aber mir fehlen manchmal die Kenntnise der Musiktheorie. Ich habe gelesen, man kann auch Stücke umtransponieren und eventuell Saiten hoch- oder runterstimmen. Manchmal hatte ich den Eindruck, man soll sich eher um die Stimmung kümmern wenn man mit anderen Instrumenten zusammenspielt. Ich weiß aber nicht inwieweit ich das richtig verstanden habe und was die Möglichkeiten sind, da ich noch wenig von Musiktheorie weiß. Also ich hoffe ihr könnt mir helfen mit euren Erfahrungen:

1) Mit welchen Saiten/Kapodaster sind eure Drehleier ausgestattet? Warum habt ihr diese Ausstattung ausgewählt? (z.B. Welche Stimmungen könnt ihr damit spielen? Für welche Musikarten und/oder Zusammenspiel mit welchen Instrumenten gebraucht ihr diese Stimmungen? Lohnt es sich extra Saiten/Kapodaster zu haben für bestimmte Stimmungen, oder transponiert ihr eure Stücke eher?)

2) Soll man sich kümmern um extra Saiten und/oder Kapodaster wenn man alleine musiziert, oder kann man dann nach belieben umtransponieren und ist die Stimmung Wurst?

3) Welche Stimmungen lassen sich gut kombinieren mit welchen anderen Instrumenten?

Sonst habe ich im Drehleiergalerie geguckt welche Stimmungen eure Leier haben. Dabei erschien mir dass g/d'/g' und c/d/g gängige Stimmungen sind für einen Instrument mit 3 Melodiesaiten. Ich habe gelesen, mit g/d'/g' kann man oktaviert spielen. Mit meinem Leihinstrument konnte ich das leider nicht ausprobieren. Also:

4) Haben oktavierte Melodiesaiten noch andere Vorteilen als die Möglichkeit oktaviert zu spielen? Lohnt sich diese Möglichkeit, oder macht es mehr Sinn eine extra Saite mit einem anderen Grundton zu haben?

Gruß Jamil
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#2
Ich habe drei Melodiesaiten (g, d' und g') und je zwei Bordune (c und G) und zwei Schnarren (c und g). Alle mit Kapo. Ich muss ganz ehrlich sagen, mit der d Melodiesaite habe ich noch nicht so viel gemacht. Die Kapodaster hingegen benutze ich fast täglich. Mögliche Tonarten C-Dur und Moll, D-Dur und Moll, G-Dur und Moll und A-Dur und Moll.

Ich spiele viele unterschiedliche Musikstile, von Klassik über Folk bis Progressive Rock. Letzteres allerdings eher zum Improvisieren und dann ohne Schnarren und Bordune.

Die oktaviert gestimmten Melodiesaiten geben zusammen gespielt ordentlich Druck. Auch einzeln gespielt kann man mit beiden Saiten einiges anfangen.
I have three answers to the questions that I know are in the audience.
Answer number one: It's called a hurdy gurdy.
Answer number two: you turn the crank and run your fingers up and down the outside.
Answer number three: No, I do not have a monkey!
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#3
Ich verwende Melodiesaiten in c g c' - das funktioniert sehr gut für alte Musik - da hast du oft dorische Modi, und brauchst das c als tiefsten Ton. Für Folk und alles andere lässt sich diese Stimmung aber auch verwenden, und die beiden c-Saiten oktaviert ergeben einen super fetten Sound. Allerdings würde ich das tiefe c als Melodie nur empfehlen, wenn deine Leier eine lange Mensur (42cm) hat.
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#4
1) Meine Drehleier hat eine tiefe und eine hohe G-Saite, zwei Bordune (G, C) und zwei Schnarren (ebenfalls G, C). Bordune und Schnarren haben alle je einen Kapo, sodass auch A und D möglich ist. Die möglichen Tonarten hat Elisa ja schon genannt.

Ich möchte da noch ergänzen, dass der Kapo zum D bei der Schnarre für mich unerlässlich ist, weil ich viel in G-Dur/Moll spiele und mir da häufig der Sound der dünnen Schnarrsaite (die C-Schnarrsaite ist wesentlich dünner als die G-Schnarrsaite) besser gefällt. Die anderen Kapos verwend ich auch ständig und möchte sie nicht missen.

Eine D-Saite vermisse ich schon ziemlich und sollte ich irgendwann noch eine Leier haben, wir diese auf jeden Fall eine D-Saite haben.

2) Wenn du tatsächlich nur für dich spielst, sind Kapos etc. vermutlich nicht ganz so wichtig. Rumtransponieren geht immer, es ist aber meiner Meinung nach immer empfehlenswert die Stücke in ihren Originaltonarten zu lernen, weil man dann ja doch vielleicht irgendwann mal mit anderen zusammen spielen mag und dann ist es mehr als ungeschickt, wenn jeder eine andere Tonart verwendet. Zusätzlich ist man einfach flexibler und hat mehr Möglichkeiten, z.B. wie oben schon gesagt eine D-Schnarre, wenn man in G spielt.

Außerdem sind manche Stücke in bestimmten Tonarten auf der Leier nicht gut spielbar, da ist es dann auch hilfreich, wenn man möglichst viele Tonarten zur Auswahl hat, in die man es transponieren kann. Da hat man dann zwar wieder das Zusammenspielproblem, aber manchmal hat man lieber das, als das man ein Stück gar nicht spielen kann Wink

3) Mit der oben genannten Ausstattung bist du meiner Meinung nach zumindest im Folk-Bereich sehr flexibel. Probleme hat man immer mal wieder, aber das hat man mit anderen Instrumenten auch. Manche Stücke sind halt einfach nicht für die Drehleier geeignet/geschrieben.

4) Wie oben von den anderen schon gesagt gibt das oktavierte Spielen einen fetteren Sound, der manchmal halt einfach gut ist. Gerade im Zusammenspiel kann es nett sein, da die Leier manchmal doch leicht untergeht, z.B. wenn man mit Dudelsäcken zusammenspielt. Da hilft die zusätzliche Power doch ganz gut Wink
Ansonsten hat man halt auch die Möglichkeit in verschiedenen Oktaven zu spielen und manche Lieder klingen in der höheren Oktave durchaus besser. Ich muss dazu aber gestehen, dass ich persönlich die hohe Saite allein nicht sooo sehr mag und sie fast nur zum Oktavieren benutze. Die Möglichkeit zu Oktavieren möchte ich aber eigentlich nicht missen.

@Elise:
Wenn du keinen/kaum Nutzen für deine D-Melodiesaite hast, solltest du mal mehr schwedische Stücke spielen Wink Die bewegen sich gerade in den G-Tonarten häufig so um zwei verschiede G's herum, dass auf der G-Saite entweder unten oder oben was fehlt. Da wünsch ich mir schon häufig eine D-Saite.
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#5
Du hast Recht Pan, bei schwedischer Musik ist die sehr brauchbar. Hab bis jetzt nur noch nicht so viel schwedisches gespielt.

Zitat:Außerdem sind manche Stücke in bestimmten Tonarten auf der Leier nicht gut spielbar, da ist es dann auch hilfreich, wenn man möglichst viele Tonarten zur Auswahl hat, in die man es transponieren kann. Da hat man dann zwar wieder das Zusammenspielproblem, aber manchmal hat man lieber das, als das man ein Stück gar nicht spielen kann Wink

Manche Stücke klingen auch einfach nicht mehr gut wenn mann sie transponiert hat.
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#6
Allen herzlichen Dank für eure hilfreiche Antworten!

(13.01.2015, 18:09)Elisa schrieb: Ich habe drei Melodiesaiten (g, d' und g') und je zwei Bordune (c und G) und zwei Schnarren (c und g). Alle mit Kapo. Ich muss ganz ehrlich sagen, mit der d Melodiesaite habe ich noch nicht so viel gemacht. Die Kapodaster hingegen benutze ich fast täglich. Mögliche Tonarten C-Dur und Moll, D-Dur und Moll, G-Dur und Moll und A-Dur und Moll.

Ich spiele viele unterschiedliche Musikstile, von Klassik über Folk bis Progressive Rock. Letzteres allerdings eher zum Improvisieren und dann ohne Schnarren und Bordune.

Die oktaviert gestimmten Melodiesaiten geben zusammen gespielt ordentlich Druck. Auch einzeln gespielt kann man mit beiden Saiten einiges anfangen.

Danke für das Übersicht. Beim Klavierspielen waren nur die Vorzeichen für mich relevant, also ich habe nie das Unterschied zwischen z.B. C-Dur und a-Moll gelernt. Bei der Drehleier habe ich die richtige Bordun- und Schnarrsaiten immer nach meinem Gehör bestimmt, aber jetzt fällt mir etwas auf: verstehe ich richtig dass die Grundton des Stückes immer die passende Bordun- und Schnarrsaiten wiedergibt, also C für C-Dur und c-Moll, D für D-Dur und d-Moll usw.?

Das wäre auf jeden Fall konsistent mit fast allem was ich bis jetzt probiert habe, aber eines verstehe ich noch nicht. Ich liebe das mazedonische Stück Jovano Jovanke und habe es ohne transponieren auf meine Leier gespielt indem ich die Melodiesaite g, Bordun C und Schnarre c einen Halbton runtergestimmt habe auf fis/H/h. Das hat sich total gut angehört, aber ich verstehe nicht warum... Das Stück hat ein Kreuz, was auf entweder G-Dur oder e-Moll hinweist, aber dann würde ich nicht erwarten dass fis/H/h dazu passt. Huh Kann jemand mir das erklären?

Sonst habe ich noch nicht experimentiert mit der Umstimmung der Saiten. Wie weit könnt ihr eure Leier runterstimmen bevor das Spiel nicht mehr akzeptabel klingt? Kann man eine d-Melodiesaite gut spielen wenn sie auf c gestimmt ist? Hochstimmen habe ich mir noch nicht zugetraut aus Angst etwas zu zerstören... Wie weit habt ihr eure Leier hochgestimmt ohne dass die Qualität der Musik oder die Intaktheit der Saiten verloren gingen? Tongue

(14.01.2015, 00:40)Pan schrieb: Außerdem sind manche Stücke in bestimmten Tonarten auf der Leier nicht gut spielbar, da ist es dann auch hilfreich, wenn man möglichst viele Tonarten zur Auswahl hat, in die man es transponieren kann. Da hat man dann zwar wieder das Zusammenspielproblem, aber manchmal hat man lieber das, als das man ein Stück gar nicht spielen kann Wink

Du verstehst mich Smile Die Marie-Louise ist mit 3 Bordunsaiten ausgerüstet, also mit 3 Kapos gäbe es neben G/A/C/D noch zwei Vakanzen. Wäre man mit einer E/F-Bordun dann nicht praktisch uneingeschränkt in der Tonart (ohne transponieren), vorausgesetzt man ist bereit die Saiten ab und zu einen Halbton hoch- oder runterzustimmen?

(14.01.2015, 00:40)Pan schrieb: 4) Wie oben von den anderen schon gesagt gibt das oktavierte Spielen einen fetteren Sound, der manchmal halt einfach gut ist. Gerade im Zusammenspiel kann es nett sein, da die Leier manchmal doch leicht untergeht, z.B. wenn man mit Dudelsäcken zusammenspielt. Da hilft die zusätzliche Power doch ganz gut Wink

Guter Punkt. Ich habe schon erfahren dass eine Flöte ertrinkt neben der Drehleier, aber gegenüber Dudelsäcken kann ich die extra Pferdestärken in der Tat gut gebrauchen Big Grin
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#7
(14.01.2015, 16:46)Jamil schrieb: Danke für das Übersicht. Beim Klavierspielen waren nur die Vorzeichen für mich relevant, also ich habe nie das Unterschied zwischen z.B. C-Dur und a-Moll gelernt. Bei der Drehleier habe ich die richtige Bordun- und Schnarrsaiten immer nach meinem Gehör bestimmt, aber jetzt fällt mir etwas auf: verstehe ich richtig dass die Grundton des Stückes immer die passende Bordun- und Schnarrsaiten wiedergibt, also C für C-Dur und c-Moll, D für D-Dur und d-Moll usw.?

In der Regel klingen die üblichen Stücke (in G) gut mit G+C oder G+D Bordunen, meist eher Letzteres.
„Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.“
Thomas Morus (1478-1535)
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#8
Ich moin.

die bordune bestimmen immer die tonart. also alles, was c heisst (dur, moll, dorisch pgrygisch, ionisch usw) verlangt einen c-bordun. das gleiche gilt äquivalent für alle anderen tonarten.
man kann zusätzlich noch reine intervalle (z.b. quinten) zusätzlich zum grundton verwenden.
gruss
Ron
Drehleierspielen muss nicht sch...e klingen....
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#9
Hallo zusammen,


zur Stimmung habe ich eine Frage.
Eine gebräuchliche Stimmung der Leier ist Melodie in g´ und Schnarre auf c´.
Nun wird davon gesprochen dass die Leier auch eine Melodiesaite in d oder c hat.
Genau hier ist es mir nicht klar wie das funktioniert.
Die Klaviatur ist doch so hergestellt, dass die Halbtöne genau dort liegen wo sie bei der Stimmung in g zu liegen haben, auf der oberen Tastenreihe. Wird eine Melodiesaite in der c oder d Stimmung gespielt, liegen doch einige Halbtöne an der falschen Stelle. d. h. zum Teil nicht auf den oberen Tasten!
Sehe ich das falsch?[Bild: huh.gif]

Gruß
Peter
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#10
(26.12.2015, 20:02)petermax schrieb: ...
Sehe ich das falsch?[Bild: huh.gif]

Gruß
Peter

Moin Peter, 
Ja, du siehst das falsch. Denk nochmal drüber nach. 
Guten Rutsch 
Ron 
Drehleierspielen muss nicht sch...e klingen....
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