Wieviel spiel dürfen Tangenten haben?
#11
(18.12.2015, 01:36)aXis schrieb: Ein gewisses Spiel der Tangenten in den Führungen ist unvermeidlich. In dem beschriebenen Ausmaß ist es aus meiner Sicht bei einem neuen Instrument inakzeptabel, weil jenseits der Toleranzen. Hier sollte der Hersteller (kostenfrei) nachbessern.

Anders ist es bei einer gebrauchten, viel gespielten Drehleier. Durch die Reibung (die Tangenten sind häufig aus härterem Holz als der Tangentenkasten) vergrößern sich im Laufe der Zeit die Abstände zwischen Führungen und Tangenten. Hier sollte man selbst Hand anlegen, weil man mehr Zeit und Sorgfalt investieren kann als der Drehleierbauer. Ist nicht nur eine Kostenfrage sondern auch eine gute Übung, um sich dem Instrument handwerklich zu nähern. Früher oder später kommt man eh nicht drumherum. 

Furniere, meist wird wohl Ahorn in Frage kommen, bekommt man auch in Fachgeschäften für Modellbau oder Geschäften für Bastler- und Künstlerbedarf. Die passend zugeschnittenen Furnierstücke sollten unter Druck mit Holzleim (sparsam) angebracht werden. Austretender Leim sollte sofort mit einem kleinen feuchten Lappen entfernt werden. Für die Anpassung bietet sich eine Schlüsselfeile an (eine eckige, also kein "Mäuseschwänzchen" o.ä., damit es keine "runden Ecken" gibt). Am besten legt man sich einen ganzen Satz zu, da man alle Teile irgendwann gebrauchen kann. Abschließend die Führungen und die betreffenden Stellen der Tangenten noch mit einem Grafitstift behandeln, zur Not tut es auch ein weicher Bleistift. Verbessert das Spielgefühl und verringert künftige Reibungsverluste. 

Hast du noch ein paar praktische Tipps hierfür. Ich hab eine Leier aus den 70igern, die recht viel gespielt wurde und wohl so die letzten 15 Jahre rum stand. Bei der haben die Tangenten relativ viel Spiel (man sieht ziemlich gut wie die abgewetzt sind) und ich würde sagen, der Saitendruck passt auch nicht - auch nicht mit neuen Saiten ...
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#12
Das liest sich, als wäre eine Generalüberholung nötig. Deshalb im Folgenden schrittweise meine Vorgehensweise (es gibt sicherlich auch andere): 

1. Eine geeignete Unterlage bereitlegen, auf der alle Tangenten Platz finden.

2. Alle Fähnchen kennzeichnen, z.B. A1, A2

3. Nacheinander alle Tangenten und Fähnchen einzeln herausnehmen und zusammengehörig auf der Unterlage in der originalen Reihenfolge platzieren.

4. Die Führungen im Tangentenkasten von Rückständen säubern; eine gute Leimfläche ist notwendig, wenn das Furnier später auch halten soll.

5. Die Abstände ausmessen und die Furnierstücke zuschneiden. In Faserrichtung mit einer Feinsäge, da das Holz sonst ungleichmäßig gespalten wird. Die Stücke etwas länger halten.
         

6. Holzleim mit einem feinen Pinsel aufbringen und die Furniere mit einer Pinzette von innen einsetzen, so dass sie außen bündig abschließen. Mit etwas Glück kann man eine Tangente zum Anpressen einschieben (Obacht, nicht mit anleimen!). Je höher der Druck, desto besser die Leimung. Ausquellender Leim mit einem angefeuchteten Baumwolltuch sofort abwischen. Nach ca. 2 Stunden kann man das Teil zum Anpressen entfernen. Den überstehenden Rest im Tangentenkasten später mit einer Klinge anreißen und abknicken.
         


7. Mit Schlüsselfeilen und Schleifpapier für die jeweilige Tangente passend schleifen.

   

8. Tangente und Führungen mit Grafit versehen und wieder einsetzen, Fähnchen einsetzen.

   

9. Den Vorgang für alle Tangenten wiederholen.

10. Die Fähnchen für jede Tangente mit einer Messerklinge oder einem Stechbeitel von oben so bearbeiten, dass sie absolut gleichzeitig die Saite berühren.

         

Im Übrigen dürfte das Buch von Ph. Destrem/V. Heidemann zur Wartung und Feinabstimmung der Drehleier hilfreich sein, ich kenne es inhaltlich allerdings nicht. 

Viel Erfolg!
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#13
Super danke für die Hinweise!

Noch zwei Fragen:
- Welches Holz sollte man nehmen? Ahorn oder was härteres z. B. Ebenholz?
- Beim Leim hätte ich jetzt an Knochenleim gedacht, da ich damit schonmal meine Gitarre repariert hab und den die meisten Instrumentenbauer verwenden. Sprich da was dagegen?
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#14
Ich verwende immer das Holz, aus dem der Tangentenkasten gefertigt ist, also Ahornfurnier. Es spricht, außer der Optik, auch nichts gegen das härtere Ebenholzfurnier. Nutzt sich die nächsten 40 Jahre auch weniger ab. Halte ich auch vor, aber für andere Zwecke. 

Wenn du mit Knochenleim Übung hast, nimm diesen. Ponal & Co. sind halt einfacher in der Handhabung.
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