Neues vom TradTanzMusik-Videokanal
#21
Unter den bisher veröffentlichten Videos sind bisher Stücke im 6/8
nahezu nicht vertreten. Das spiegelt aber eigentlich gut die Situation
in den Notenhandschriften aus dem deutschsprachigen Raum wieder.
Merkwürdigerweise findet man in diesen ausgesprochen wenige 6/8.
Es gibt aber eine ganze Reihe von als 3/8 notierten Stücken, die in
meinen Ohren danach rufen, als 6/8 interpretiert zu werden.
Dazu gehören z.B. der Jägerländer (Nr. 36) und verschiedene Jäger aus
der Hartwig-Handschrift.

Einen gibt es davon heute:
No. 64 Jäger, Hartwig-Sammlung, datiert 1877
gespielt auf Säckpipa

Das Stück ist übrigends unbearbeitet, es musste nicht, wie sonst oft
erforderlich, für Säckpipa angepasst werden.

Viel Spaß damit
Thomas
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#22
Heut mal ein bisschen Statistik am Anfang:
Unter ca. 1600 notierten Stücken finden sich ca. 800 unterschiedliche Melodien.
Fast die Hälfte davon (ca. 45%) sind – Menuette.
Nun ja, es geht mal wieder um die Tanzsammlung Dahlhoff und diesmal eben um jene Stücke,
die mich und so viele andere auch anfangs zum schnellen Umblättern verleitet haben.
Inzwischen ist die Popularität von Menuetten deutlich größer geworden. Sei es, weil das
Menuett als Tanz auch außerhalb des historischen Tanzes langsam wiederentdeckt wird,
sei es weil sich so manche Melodie auch gut als Mazurka, manche auch als Walzer eignet.
Oder auch, weil es teilweise einfach sehr schöne Melodien sind.

Jürgen Treyz hat nicht nur nicht schnell umgeblättert als das Wort Menuet auftauchte, nein,
er hat gleich gar nicht mehr geblättert (für's erste), sondern ist gleich beim ersten Menuett
in Band I auf Seite 2 hängen geblieben.

Also heute:
Menuet I/2, Tanzsammlung Dahlhoff, datiert 1767-1799
gespielt von Jürgen Treyz (Gitarre)

Wie das Stück dann arrangiert klingen kann, hört man hier in einer Aufnahme von
Gudrun Walther/Jürgen Treyz von der CD "Duo".

Viel Spaß damit
Thomas
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#23
Die Mazurka gehört heute auf vielen Tanzböden zu den beliebtesten Tänzen. Bereits im 19.Jh. zählte sie auch hierzulande zu den Modetänzen und taucht folglich in  Musikerhandschriften aus dieser Zeit auf.
Dabei ist die Benennung nicht einheitlich. Es tauchen Mazurka, Masurka, Mazur und Mazurek auf, die sich jedoch nach den Noten musikalisch nicht eindeutig von einander abgrenzen lassen.
Schon bei der Beschäftigung mit der Tanzsammlung "Diverses Denses pour le Violon pour Monsieur Nahke, Leipzig, 1800" ist uns aufgefallen, dass es unter gleichem Namen (Mazur) zwei unterschiedliche Melodietypen gibt. Wir fanden einerseits eingängige melodiöse Mazurka-Melodien, die sehr gut zu der heute beim Bal Folk meist dominierenden Tanzweise passen. Dazu gehört z.B. der Mazur Nr. 44, der schon vor längerer Zeit auf TradTanzMusik vorgestellt wurde.
Anderseits weist die Mehrzahl der elf Stücke überwiegend kurze sich wiederholende Motive auf, die eher trance-artig wirken und an Mazurek/Oberek erinnern, wie wir sie beispielsweise beim Mazurki-Festival in Warschau gehört haben.
Ob und was da um 1800 in Leipzig getanzt wurde, wissen wir nicht.

Dass diese Melodien aber auch heute noch inspirierend sind und sowohl spielend als auch tanzend Spaß machen können, wissen wir schon.
Darum heute:

No. 43 Mazur aus der Tanzsammlung "Diverses Denses pour le Violon pour Monsieur Nahke, Leipzig, 1800"
gespielt von Vivien Zeller (Geige)
 

Diese Melodie zählt für uns zu der zweiten beschriebenen Kategorie.
Zum Vergleich die melodiösere und eingängigere Variante - Mazur Nr. 44.
 

Ein Beispiel der Nr. 43 im Bandarrangement:
violins in fusion im Berliner Haus der Sinne, 2016

Viel Spaß damit!
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#24
Bei der Videoveröffentlichung vor zwei Wochen ging es um Mazurka
und Verwandtes aus der Zeit vor ca. 220 Jahren.
Wir arbeiten uns in der Zeit um gut 50 Jahre nach vorn – und wieder
gibt es eine Mazurka. Und zwar eine, auf deren Einspielung wir schon
lange gehofft hatten:

No. 66 Masurka, Notenbuch des Karl Gottlob Wiegand, Braunsdorf bei Tharandt, 1854
gespielt von Kristina Künzel (Schäferpfeife in G/C)
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#25
Heute gibt es wieder einen Lustig den Handschriften der Musiker Füllgraf (Stadtmusikant in Bergedorf) und Nührmann (Tanzmusiker in Allermöhe).
Unter den 11 verzeichneten Lustig finden sich zwei, die möglicherweise auch einen Text hatten.
Zumindest deuten die Titel
  • "Unter den Grünen Baum" und
  • "Krieg ick den Krüger sien Dochter nicht"
wohl darauf hin.
Bisher ist es uns jedoch nicht gelungen, passende Texte zu finden.
Falls jemand die Texte kennt oder findet – wir würden uns sehr über eine Nachricht dazu freuen! 

Heute also:
Lustig "Unter den Grünen Baum" (Füllgraf – Nr. 30, Nührmann – Nr. 39),
gespielt von Jim Penny (concertina)
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#26
Der Sommer hat, so schön er auch ist, auch nicht so tolle Nebenwirkungen.
Eine davon ist - das Sommerloch. Darin verschwindet so Manches u.a.
auch das Interesse an neuen Stücken. Wir merken das in jedem Jahr aufs
Neue an dem Rückgang der Nutzung von TradTanzMusik in den Sommermonaten.
Daher verschwinden wir in diesem Jahr selbst auch im Sommerloch und machen Pause.

Wir werden aber nicht völlig untätig sein - es sind noch viele Videos
mit schöner Musik zu schneiden und zu betexten. Mit denen melden wir uns
dann Ende August oder Anfang September wieder.


Für alle, die in den nächsten zwei Monaten trotzdem Zeit und Lust haben
Neues zu lernen - nur zu! Auf TradTanzMusik gibt es derzeit immerhin schon 68 Stücke.

Für ein bisschen Ordnung sorgen 13 Playlists für Handschriften, aus
denen mehr als ein Stück auf TradTanzMusik vorgestellt wird:

Hartwig-Handschrift, um 1877
Sammelband aus Annenhof, vor 1775
Notenbücher Füllgraf und Nürmann, um 1820
Tanzsammlung Dahlhoff, 1767 - 1799
Kralsches Geigenspielbuch, um 1790
Wittenberger Apothekenhandschrift, um 1768
Wiegand-Handschrift, 1854
Diverses Denses pour le violon pour Monsieur Nahke, 1800
Notenbuch des Onkel Ewert, um 1870
Dantz Büchlein Dreyßer, 1720
Notenhandschrift des Heinrich Nicol Philipp, 1784
Tanzbuch aus Arendsee, um 1870 (?)
Wernigeröder Tanzbüchlein, 1786

Außerdem gibt es eine playlist mit Band- und Sessionbeispielen von
Stücken, die schon als Lernvideos vorhanden sind.
(Wir sind übrigends immer dankbar für Hinweise auf weitere Beispiele!)


Zum Stöbern einfach auf
youtube.com/tradtanzmusik
gehen. Hier findet ihr auch die genannten playlists.

Viel Spaß und einen schönen Sommer euch!
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#27
Liebe Musiker,
das Ende der Saure-Gurken-Zeit ist gekommen und TradTanzMusik
taucht aus dem Sommerloch wieder auf. Wir haben in den letzten
Wochen viel gespielt und getanzt, u.a. auf Festivals in Schweden,
England und Schottland, aber auch viele schöne Stücke für
TradTanzMusik vorbereitet.
Z.B. dieses hier:
"Nr. 6 in D" aus dem Dantz Büchlein Dreyßer, datiert 1720,
gespielt von Björn Kaidel (Nyckelharpa)
Mit TradTanzMusik wollen wir ja Verschiedenes erreichen. Zum einen
natürlich musikalische Schätze aus alten und weitgehend unbekannten
Handschriften bekannter machen. Zum anderen wollen wir das Lernen
nach Gehör fördern, weil wir das für die angemessene Art der Weitergabe
dieser Art von Musik halten. Darüber hinaus wollen wir aber auch zeigen,
wie man die, auf den ersten Blick oft dröge erscheinenden komischen Punkte
auf dem Notenpapier gar nicht dröge, sondern wirklich tänzerisch
interpretieren kann. Dafür lohnt sich auch immer wieder ein Blick in die
Originalnoten und ein direkter Vergleich mit dem klingenden
Interpretationsbeispiel.
Die Noten des heute vorgestellten Stückes findet man z.B. hier:
http://daten.digitale-sammlung…..6/image_84

Viel Spaß damit!
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#28
Anfang September ist der Schweriner Musiker Peter Kingerske gestorben.
Mit nur 58. Doch „man misst das Leben nicht nach Jahren“.
Er bleibt uns mit seiner Lebensfreude, seiner Energie und Leidenschaft,
seinem Bandoneon und vor allem mit seiner Stimme in Erinnerung. Einfach
so, wie wir ihn bis zu seinem letzten Tag erlebt haben.

1982 fanden sich Peter und andere Wismarer Studenten zur Folkloregruppe
Tüdderkram zusammen - eine der wenigen Folkbands im Norden der DDR.
Es war eine wirkliche Stärke von Peter, Leute in seinen Kreis zu ziehen
und Austausch zu schaffen – menschlich und musikalisch. Peters Wohnungen
waren die Orte gemeinsamen Musizierens und Feiern. Hedo Holland und
andere Freunde aus dem Westen gingen ein und aus, ein Konzert mit
„Tüdderkram und Freunden“ im Haus der deutsch-sowjetischen Freundschaft
war nichts anderes als das versteckte Konzert der Gruppe „Sommerfolk“
aus Bremen.
Peter verstand, dass der Kern seiner Musik nicht die Präsentation auf
der Bühne, sondern die besonderen Momente waren, das Hochgefühl im
Kreise der Musizierenden, Kommunikation und Miteinander.
In der Mitte der 1980er Jahre folgte auch Tüdderkram dem Ruf nach
Tanzmusik und bald tanzten hunderte Studenten in Wismar, Lott is doot,
Herr Schmidt oder Figaro.
In den 90 Jahren stieg Peter bei der Gruppe Reel ein und sie brachten
immer wieder neue Projekte mit befreundeten Musikern auf die Bühne. So
setzte sich ganz selbstverständlich Peters Eigenschaft – das
Hineinziehen neuer Leute in seinen Kreis - fort.
In den letzten Jahren engagierte sich Peter stark für die kleine Szene.
Er war beim Soundtrack zur Ausstellung „Folk in der DDR“ mit dabei, die
in Ilmenau, Rudolstadt und Schwerin-Mueß gezeigt wurde. Zusammen mit
Ralf Gehler wurde das Volksliedersingen in Schwerin entwickelt und Peter
war regelmäßiger Bestandteil der Sessions im Zentrum für Traditionelle
Musik. Viele der jungen und neuen Schweriner Musikanten lernten ihn hier
erst kennen und wir diskutierten neue Möglichkeiten in Sachen Musik.
Peter hatte sich noch viel vorgenommen.

In diesem Sinne möchten wir heute eins von Peters Lieblingsliedern
veröffentlichen

„Herr Schmidt“ gespielt von Ralf Gehler (Schäferpfeife in G/C)

Eine Session mit Peter ohne dieses Lied war nicht denkbar und wir werden
es weiter singen und musizieren.


Ein paar der unzählbar vielen Strophen, die immer wieder zu hören sind:

Refr:
Herr Schmidt, Herr Schmidt, was bringt das Julchen mit?
Herr Schmidt, Herr Schmidt, was bringt das Julchen mit?

1. `nen Schleier und `nen Federhut,
das steht dem Julchen gar zu gut.

2. Dusend Daler und ´n Pott voll Grütt,
dat bringt Schmittens Tochter mit.

3. Een Pott, een Pann, een Kaffeekann,
mehr is vun Schmitt nich tau verlang´.

4. Ein alter Stuhl auf einem Bein,
das fällt nur Schmittens Tochter ein.

5. Für´n Dudelsack ein Zwetschgenbrett,
das liegt bei Schmitten unterm Bett.

6. Sie kriegt 'n Sofa lang und breit,
für ihre große Sittsamkeit.

7. Das Mädchen das ist gut und brav,
wer die nimmt der bekommt ein Schaf.

8. Zwei Schinken und 'ne Kälberbrust,
denn Essen ist ja ihre Lust.

9. 'ne Wiege und schön Kinderzeug,
wenn´s dann soweit ist hat sie´s gleich.

Viel Spaß!
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#29
Das Notenbuch des Heinrich Nicol Philipp ist ein schier unerschöpflicher Quell
einfacher Melodien, die zur Interpretation einigen Spielraum lassen und auch
deshalb für viele Musiker reizvoll sind.
Heute gibt es mal wieder einen Schleifer.
Schleifer Nr. 23 aus dem Notenbuch des Heinrich Nicol Philipp, Seibis, 1784
gespielt von Olle Gällmo (Säckpipa)
Olle Gällmo interpretiert hier diesen Schleifer nach eigener Aussage mit der Idee
einer Mazurka. So ganz neu ausgegraben ist das Stück nicht, es wurde im
vorigen Jahr beim Spielkurs Pipenbock im Säckpipa-Kurs unterrichtet und war beim
Klangrauschtreffen in diesem Jahr bei einigen Sessions zu hören.
Als Beispiel mit zweiter Stimme eine Aufnahme mit dem Duo Branschke/Gällmo
Beide werden übrigends beim diesjährigen Spielkurs Pipenbock in Dreilützow
(15.-18. November 2018) den Säckpipa-Kurs leiten. Wir sind gespannt, ob sie wieder
solch einen Schatz gehoben haben.
Viel Spaß damit!
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